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Kriegs- und Nachkriegskindheiten

Studien zur literarischen Erinnerungskultur für junge Leser

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Edited By Gabriele von Glasenapp and Hans-Heino Ewers-Uhlmann

Die Beiträge dieses Bandes beschäftigen sich mit der Allgemein- wie der Kinder- und Jugendliteratur als einem zentralen Erinnerungsmedium an Kindheit und Jugend während des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit. Fokussiert werden die teilweise traumatisierenden Erlebnisse: Zum einen aus unterschiedlichen nationalen Perspektiven, wobei der nationale Referenzrahmen neben deutschsprachigen auch europäische wie außereuropäische Perspektiven umfasst. Zum anderen werden die literarischen Kindheitsdarstellungen einzelner Länder unter dem Aspekt von Selbst- und Fremdwahrnehmung gesehen. Die einzelnen Aufsätze gehen zur Erinnerungskultur im Allgemeinen, behandeln einzelne Autoren und befassen sich mit der Tradierung von Texten, Aspekten nationaler Literaturpolitik sowie Fragen der literarischen Vermittlung.

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„Wir haben das nicht unversehrt überstanden“. Jüdische Kindheit und Jugend während des Dritten Reiches im Spiegel autobiographischer Texte 127

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Gabriele von Glasenapp (Frankfurt am Main) „Wir haben das nicht unversehrt überstanden“. Jüdische Kindheit und Jugend während des Dritten Reiches im Spiegel autobiographischer Texte I. In der deutschen Sprache scheint die Semantik des Wortes ‚Krieg’ klar definiert zu sein; übereinstimmend bezeichnet man damit einen „mit Waffengewalt aus- getragene[n] Konflikt zwischen Staaten, Völkern; [eine] größere militärische Auseinandersetzung, die sich über einen längeren Zeitraum erstreckt“ (Duden 1999, 2281). Diese Definition hat ihre Gültigkeit selbstverständlich auch für die im Zweiten Weltkrieg involvierten Staaten, d. h. auch für die deutsche Nation. Folgt man der Definition weiter, so ergibt sich als logische Schlussfolgerung, dass mit dem Begriff ‚Kriegskindheit’ die Kindheit (und Jugend) derer bezeich- net wird, die als Angehörige eines am Krieg beteiligten Volkes ihre Kindheit (und Jugend) während des Krieges verbracht haben. Bezogen auf die nationalso- zialistische Herrschaft in Deutschland, zeigt sich jedoch, dass die Begrifflichkeit gerade in diesem Kontext nicht ausreichend ist, um die Komplexität von ‚Kriegskindheit’ in ihrer Gesamtheit zu erfassen. Fokussiert werden damit nämlich zum einen lediglich die Kriegsjahre zwi- schen 1939 und 1945 und zum anderen wird zumindest insinuiert, dass aus- schließlich Angehörige der deutschen Mehrheitsgesellschaft ihre Kindheit und Jugend in diesem Krieg verbracht haben. Ausgeblendet bliebe auf diese Weise – immer unter Zugrundelegung der gängigen Definition von Krieg –, dass die An- gehörigen der jüdischen Minderheit bereits seit 1933 von Seiten der nationalso- zialistischen Machthaber Maßnahmen ausgesetzt waren, die zun...

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