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Kriegs- und Nachkriegskindheiten

Studien zur literarischen Erinnerungskultur für junge Leser

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Edited By Gabriele von Glasenapp and Hans-Heino Ewers-Uhlmann

Die Beiträge dieses Bandes beschäftigen sich mit der Allgemein- wie der Kinder- und Jugendliteratur als einem zentralen Erinnerungsmedium an Kindheit und Jugend während des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit. Fokussiert werden die teilweise traumatisierenden Erlebnisse: Zum einen aus unterschiedlichen nationalen Perspektiven, wobei der nationale Referenzrahmen neben deutschsprachigen auch europäische wie außereuropäische Perspektiven umfasst. Zum anderen werden die literarischen Kindheitsdarstellungen einzelner Länder unter dem Aspekt von Selbst- und Fremdwahrnehmung gesehen. Die einzelnen Aufsätze gehen zur Erinnerungskultur im Allgemeinen, behandeln einzelne Autoren und befassen sich mit der Tradierung von Texten, Aspekten nationaler Literaturpolitik sowie Fragen der literarischen Vermittlung.

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Figuren jüdischer Kinder und Jugendlicher in der Prosa Jurek Beckers und ihre Auseinandersetzung mit dem Holocaust 151

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Joanna Obrusnik-Jagla (Wrocław) Figuren jüdischer Kinder und Jugendlicher in der Prosa Jurek Beckers und ihre Auseinandersetzung mit dem Holocaust I. Der Schriftsteller Jurek Becker wurde als Kind polnisch-jüdischer Eltern 1937 in Łodz, das die Nazis später in Litzmanstadt umbenannten, geboren. Als Kind überlebte er den Holocaust mit knapper Not wie er in seinem Aufsatz „Mein Ju- dentum“ beschrieb: Als der Krieg zu Ende war, hatte sich meine Familie, eine ehedem fast unübersehbare Personenschar, wie ich höre, auf drei Überlebende reduziert: auf meinen Vater, auf eine Tante, an die ich mich nicht erinnern kann, denn ihr gelang unmittelbar nach dem deut- schen Einmarsch in Polen die Flucht, vielleicht nach Amerika, und auf mich. (Becker 1996a, 9) An die Ghettozeit, geschweige denn an die Zeit davor, kann er sich nicht erin- nern, wie er in seiner Abhandlung „Die unsichtbare Stadt“ bekannte: Unentwegt das Gefühl, mich beim Erinnern nur etwas mehr anstrengen zu müssen, an- statt so träge zu sein und faul aufs Erinnern zu warten. Dabei strenge ich mich an zum Verrücktwerden, es kommt nichts [...]. Immer wieder ist alles falsch, das Lämpchen der Erinnerung leuchtet nicht auf. [...] Ich kann mich an nichts erinnern. (Becker 1996b, 114ff.) Es ist umstritten, ob Becker tatsächlich seine Erinnerungen beschwören wollte, oder ob er die nicht gerade „kuscheligen Kindheitserinnerungen“ (Becker 1992a, 57) einfach verdrängte. An anderer Stelle stellte der Schriftsteller fest, bei ihm sei gewissermaßen die Grenze zwischen Erinnerung und Erfindung verschwom-...

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