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Kriegs- und Nachkriegskindheiten

Studien zur literarischen Erinnerungskultur für junge Leser

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Edited By Gabriele von Glasenapp and Hans-Heino Ewers-Uhlmann

Die Beiträge dieses Bandes beschäftigen sich mit der Allgemein- wie der Kinder- und Jugendliteratur als einem zentralen Erinnerungsmedium an Kindheit und Jugend während des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit. Fokussiert werden die teilweise traumatisierenden Erlebnisse: Zum einen aus unterschiedlichen nationalen Perspektiven, wobei der nationale Referenzrahmen neben deutschsprachigen auch europäische wie außereuropäische Perspektiven umfasst. Zum anderen werden die literarischen Kindheitsdarstellungen einzelner Länder unter dem Aspekt von Selbst- und Fremdwahrnehmung gesehen. Die einzelnen Aufsätze gehen zur Erinnerungskultur im Allgemeinen, behandeln einzelne Autoren und befassen sich mit der Tradierung von Texten, Aspekten nationaler Literaturpolitik sowie Fragen der literarischen Vermittlung.

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Kriegs- und Nachkriegskindheit in ausgewählten Prosatexten der polnischen und deutschen Kinder- und Jugendliteratur 317

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Kinga Czuchraj (Wrocław) Kriegs- und Nachkriegskindheit in ausgewählten Prosatexten der polnischen und deutschen Kinder- und Jugendliteratur I. Die Kriegsthematik in der polnischen Kinder- und Jugendliteratur wird entweder innerhalb Sachliteratur auf der Basis historischer Quellen und Berichte verarbei- tet, oder sie wird fiktionalisiert und als Geschichten fiktiver Figuren dargestellt, deren Einzelschicksal einer nicht selten tendenziellen Veranschaulichung der kollektiven Kriegserfahrung dient. Ein besonderes intensives literarisches Inter- esse an dem Thema machte sich in den Jahren 1946-1950 bemerkbar. Damals entstand eine Art ‚Abrechnungsliteratur’, in der nicht nur eine dokumentarische Darstellung des Krieges stattfand, sondern auch der tragische Aspekt der durch den Krieg entstellten kindlichen Existenz hervorgehoben wurde. Die Darstellung des Krieges war jedoch in der nach dem Krieg neu entste- henden polnischen Kinder- und Jugendliteratur ein heikles Thema. Erstens be- fand sich das Land unter sowjetischer Besatzung und somit durfte der Krieg le- diglich als ein Krieg gegen Nazideutschland gezeigt werden. Aus dem Hand- lungssystem Kinder- und Jugendliteratur wurde aus diesem Grund alles elimi- niert, was sich direkt oder indirekt auf die sowjetische Invasion und Besetzung Polens bezog. So sind die literarischen Kriegskindheitsdarstellungen in Polen bis zur Wende von 1989 vor allem hinsichtlich ihrer politischen Aussage eindimen- sional. Zweitens wurde das Kriegsthema auch nach der Wende in der Kinder- und Jugendliteratur kaum bearbeitet. Das aktuelle Desinteresse offenbart sich nicht nur im Mangel entsprechender Neuerscheinungen im Bereich der spezifi- schen und intentionalen Kinder- und Jugendliteratur polnischer Autoren, son- dern auch im Entfernen der schon vorhandenen Literatur aus den Bibliotheken. Dies geschah in...

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