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Zu aktuellen Grundfragen der Übersetzungswissenschaft

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Ana Maria Bernardo

Mit diesem Buch wird ein kurzer Einblick in ausgewählte Themen der deutschsprachigen Übersetzungswissenschaft im westlichen Kontext vermittelt, der für die fachinterne Diskussion grundlegend ist. Dabei werden Fragen wie die ihrer Interdisziplinarität erörtert, u. a. wie sie sich in den unterschiedlichen Ansätzen widerspiegelt. Neben den linguistischen und semiotischen Betrachtungsweisen kommen kommunikative, kulturelle, kognitive und funktionale Orientierungen zum Tragen. In diesem Zusammenhang fällt der Leipziger Schule eine zentrale Rolle zu, die bahnbrechend für die Entwicklung der Disziplin gewesen ist. Die Hauptverdienste der Übersetzungskritik sowie die kulturaufbauende bzw. -abbauende Funktion der Übersetzung im heutigen globalisierten Umfeld werden ebenfalls angeschnitten.

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I. Zum heutigen Stand der Übersetzungswissenschaft 9

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9I. Zum heutigen Stand der Übersetzungswissen- schaft I.1. Quo vadis, Übersetzungswissenschaft? Zu Haupt- tendenzen der aktuellen Übersetzungsforschung I.1.1. Einleitung Schaut man auf die letzten fünfzig Jahre zurück, in denen die Überset- zungswissenschaft sich institutionell etabliert hat und eine beinahe ins Uferlose grenzende bibliographische Flut entstanden ist (von einer eben- falls regen Tätigkeit auf Kongressen begleitet), so ist es schon verwun- derlich, wie wenig Konsens über grundlegende Fragestellungen herrscht, wie verbreitet das Unbehagen selbst unter Übersetzungswissenschaftlern noch ist im Hinblick auf ihre eigene Disziplin und wie tief unter Überset- zern das Misstrauen der Übersetzungswissenschaft gegenüber weiterhin verwurzelt ist (schon allein die Bezeichnung ruft bei Praktikern nicht selten verunsichernde Gefühle hervor). Unzufriedenheit innerhalb der Disziplin, Mangel an öffentlicher Anerkennung seitens der Gesellschaft – wie lassen sich solche defizitären Zustände erklären, und wie können sie überwunden werden? Selbst bei einem notgedrungen kurzen Rückblick lassen sich be- stimmte Grundzüge erkennen, die zur heutigen Lage geführt haben und Einiges erklären können. Allein die zwei Hauptströmungen innerhalb der westlichen übersetzungswissenschaftlichen Forschung – die englisch- sprachigen Translation Studies und die deutschsprachige Übersetzungs- wissenschaft – weisen eine unterschiedliche Fokussierung auf, weshalb sie konsequenterweise zu grundverschiedenen Ergebnissen gekommen sind. Vergleichen wir zunächst, was die unterschiedlichen Schwerpunkte beider Strömungen generell ausmacht. 10 I.1.2. Gegenstandsbestimmung Schon bei der Gegenstandsbestimmung der neuen Disziplin lässt sich ein Unterschied feststellen, der folgenreiche Konsequenzen für das Selbst- verständnis der Disziplin mit sich bringt. Während man bei den...

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