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Zu aktuellen Grundfragen der Übersetzungswissenschaft

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Ana Maria Bernardo

Mit diesem Buch wird ein kurzer Einblick in ausgewählte Themen der deutschsprachigen Übersetzungswissenschaft im westlichen Kontext vermittelt, der für die fachinterne Diskussion grundlegend ist. Dabei werden Fragen wie die ihrer Interdisziplinarität erörtert, u. a. wie sie sich in den unterschiedlichen Ansätzen widerspiegelt. Neben den linguistischen und semiotischen Betrachtungsweisen kommen kommunikative, kulturelle, kognitive und funktionale Orientierungen zum Tragen. In diesem Zusammenhang fällt der Leipziger Schule eine zentrale Rolle zu, die bahnbrechend für die Entwicklung der Disziplin gewesen ist. Die Hauptverdienste der Übersetzungskritik sowie die kulturaufbauende bzw. -abbauende Funktion der Übersetzung im heutigen globalisierten Umfeld werden ebenfalls angeschnitten.

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IV. Übersetzung in einem globalisierten Umfeld 105

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105 IV. Übersetzung in einem globalisierten Umfeld IV.1. Die kulturaufbauende Funktion von Übersetzungen Es gehört zum allgemeinen Gedankengut, Übersetzungen als kulturschaf- fende Werkzeuge im Zielkontext zu betrachten. Aneignung von Wissen und die Möglichkeit, fremde Autoren in der eigenen Sprache zu lesen, haben die Menschheit Jahrhunderte lang dazu bewegt, fremdsprachliche Werke entweder implizit (wie die Griechen es taten) oder aber meistens explizit zu übersetzen. Zwar ist der Status von Übersetzern und der über- setzerischen Tätigkeit selbst allzu oft als zweitrangig eingestuft worden. Es wurde mitunter der Versuch unternommen, die Spuren der Überset- zung zu tilgen, indem ein Text so präsentiert wurde, dass er als Original gelten sollte. Immerhin wurden die von Übersetzern erbrachten Leistun- gen aber auch gepriesen und in ihrem zivilisatorischen Wert anerkannt, insbesondere wenn es um die Vermittlung von wissenschaftlichen Wer- ken ging. Dabei diente die Übersetzung vorwiegend der kulturellen Bereiche- rung der Menschheit, sei es zur Verbesserung der Lebensumstände und des wissenschaftlichen Fortschrittes in der materiellen Kultur oder aber zur Entwicklung von immer feineren Denksystemen und Kunstwerken von zunehmender Komplexität in der geistigen Kultur (man denke nur an die Leistungen der mittelalterlichen Übersetzungsschulen in Toledo oder in Sizillien). Durch die Übersetzung wissenschaftlicher Werke wurde ei- ne Demokratisierung des Wissens erreicht, die sonst nicht möglich gewe- sen wäre. Parallel zu diesem durch Übersetzungen entstandenen univer- salen Wissen wurden nationale Identitäten aufgebaut, die trotz zahlrei- cher Machtkonflikte und ständigen kulturellen Austausches sowohl au- tochton als auch weitgehend autonom blieben. Im...

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