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Gesundheit von Migranten

Edited By Ulrich Thamer and Michael Wüstenbecker

Neben «Bevölkerungsschrumpfung» und «demografischer Alterung» ist die «Internationalisierung der Bevölkerung» ein weiterer Megatrend, der den demografischen Wandel ausmacht. Ein Trend, der hierzulande – zumindest in den zurückliegenden Jahren – bemerkenswert wenig Beachtung gefunden hat. Vor allem die Zahl älterer Menschen mit Migrationshintergrund wächst dynamisch. Damit steigt deren quantitative Bedeutung im medizinischen Versorgungsgeschehen an. Interkulturelle Kompetenzen werden zur wichtigen Schlüsselgröße, um Patienten aus unterschiedlichen Herkunftsländern gleichermaßen gut versorgen zu können. Die Beiträge dieses Sammelbandes stellen gesundheits- bzw. versorgungsbezogene Implikationen einer sich internationalisierenden Gesellschaft aus verschiedenen Perspektiven dar. Neben zahlreichen Ärzten kommen u. a. Gesundheitswissenschaftler, Ökonomen und Soziologen zu Wort.

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III. Hintergrund- und Detailbetrachtungen 77

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III. Hintergrund- und Detailbetrachtungen Herwig Birg Integration und Migration im Spiegel harter Daten1 Vorbemerkung Zuerst leugnete die Politik die Existenz demografischer Probleme. Dann wollte man sie durch Zuwanderungen aus dem Ausland lösen. Inzwischen wird be- hauptet: Zuwanderung, Alterung, Schrumpfung sind große Chancen. Aber man entgeht der demografischen Zukunft nicht, indem man sie überholt. In hochentwickelten Ländern wie Deutschland sind Demografie und Ökonomie unauflöslich miteinander verwoben. Exportorientierte Volkswirtschaften sichern ihre Konkurrenzfähigkeit durch ständige Produktivitätssteigerungen. Die will- kommene Begleiterscheinung des internationalen Wettlaufs um Produktivität und Effizienz ist ein hohes Pro-Kopf-Einkommen. Zu den Folgen dieser Ent- wicklung gehört auch die Attraktivität des Landes für potentielle Zuwanderer. Eine weitere Begleiterscheinung der ökonomischen Prosperität ist die niedrige Geburtenrate: Hohe Pro-Kopf-Einkommen bedeuten hohe Opportunitätskosten von Kindern. Darunter sind nicht die Ausgaben der Eltern für ihre Kinder zu verstehen, sondern die entgangenen Einkommen, auf die verzichtet wird, wenn Frauen wegen fehlender Betreuungseinrichtungen ihre Erwerbstätigkeit und die Erziehung von Kindern nicht gleichzeitig verwirklichen können. Je besser die beruflichen Qualifikationen der Frauen sind, desto höher ihre entgangenen Ein- kommen bei einem Verzicht auf Erwerbstätigkeit, und desto niedriger die Ge- burtenrate eines Landes. Dieser unter dem Begriff „demografisch-ökonomisches Paradoxon“ diskutierte Tatbestand lässt sich, von Ausnahmen abgesehen, in na- hezu allen Ländern beobachten. Wegen seines ökonomischen Erfolgs hat Deutschland eine besonders niedrige Geburtenrate, die trotz aller familienpolitischen Reformen wie schon seit 40 Jah- ren immer noch zwischen 1,3 und...

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