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«Ich fühle mich wie ein Vogel, der aus seinem Nest fliegt.»

Menschen mit Behinderungen in der Erwachsenenbildung

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Edited By Tobias Erzmann and Georg Feuser

Die Debatte um Fragen der Integration als Weg aus der Selektion, Ausgrenzung und Segregation von Menschen mit Behinderungen in Sondersysteme über die gesamte Lebensspanne hinweg zeigt noch immer eine tiefe Kluft zwischen Ist- und Sollzustand. Durch die UN-Behindertenrechtskonvention wird für die Pädagogik in besonderer Weise deutlich, dass mit der Integration im Bereich der Bildung ein Menschenrecht umzusetzen ist – auch in der Erwachsenenbildung. Realisiert wurde das bereits 1998 in Bremen bei einer bundesweiten Fachtagung. Dieser Band reflektiert die Frage nach den Bildungsbedürfnissen Erwachsener als Realisierung der Integration auch schwerst beeinträchtigter Menschen in der Spanne von der «totalen Institution» (Goffman) und ihrer Überwindung bis hin zur «advokatorischen Assistenz». Dabei wird nicht über, sondern in uneingeschränkter Teilhabe mit den Betroffenen diskutiert. Das Buch spannt einen breiten Fächer an Fragen, Problemen und zukünftig dringend zu berücksichtigenden Lösungsmöglichkeiten vor allem unter Aspekten der Assistenz auf.

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Eine Frage des Bewusstseins – Zur Geschichte der Behindertenbewegungin Deutschland 43

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Swantje Köbsell Eine Frage des Bewusstseins – zur Geschichte der Behinderten- bewegung in Deutschland „Behinderung ist kein Schicksal, kein medizinisches Problem, sondern ein Problem politischer und per- sönlicher Macht, vor allem aber eine Frage des Be- wußtseins.“ Adolf Ratzka (in: N.N. 1989, S. 5) Die deutsche Behindertenbewegung kommt langsam in die Jahre. Viele Verän- derungen hat sie auf den Weg gebracht, doch es bleibt auch noch vieles zu tun. Der vorliegende Beitrag soll einen Überblick über Entstehen und Entwicklung dieser Bewegung geben. Zugrunde liegen Dokumente aus 25 Jahren Behinder- tenbewegung, wie z.B. alle Ausgaben der „Krüppelzeitung“ (1/1979 bis 1/1985) und ihrer Nachfolgerin, der „randschau“ (1/1986 bis 1/2000), sowie zahlreiche andere „O-Töne“. 1. Vorbedingungen Bei Ende des zweiten Weltkrieges waren viele tausend behinderte Menschen Opfer der „Euthanasie“1 der Nationalsozialisten geworden, Infrastruktur für Menschen mit Behinderungen gab es kaum. Andererseits gab es durch den Krieg und seine Folgen viele beeinträchtigte Menschen, die versorgt werden mussten. So waren die Organisationen der Kriegsopfer („Kriegsbeschädigten“) und Hin- terbliebenen die ersten, die ihre Arbeit wieder aufnahmen.2 1 Auf Hitlers Anweisung, jedoch ohne gesetzliche Grundlage, wurden im Zuge der „Ver- nichtung lebensunwerten Lebens“ viele tausend behinderte Menschen umgebracht. (Klee 1983) Obwohl die meisten der Transporte und Tötungen dokumentiert wurden, kann man die Zahl der Opfer nur schätzen. Es wird davon ausgegangen, dass im Rahmen der „Eu- thanasie“ ca. 300 000 behinderte Menschen umgebracht wurden (Schmuhl 1999). Die „Zivilbeschädig- ten“ spielten zunächst in der öffentlichen...

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