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«Ich fühle mich wie ein Vogel, der aus seinem Nest fliegt.»

Menschen mit Behinderungen in der Erwachsenenbildung

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Edited By Tobias Erzmann and Georg Feuser

Die Debatte um Fragen der Integration als Weg aus der Selektion, Ausgrenzung und Segregation von Menschen mit Behinderungen in Sondersysteme über die gesamte Lebensspanne hinweg zeigt noch immer eine tiefe Kluft zwischen Ist- und Sollzustand. Durch die UN-Behindertenrechtskonvention wird für die Pädagogik in besonderer Weise deutlich, dass mit der Integration im Bereich der Bildung ein Menschenrecht umzusetzen ist – auch in der Erwachsenenbildung. Realisiert wurde das bereits 1998 in Bremen bei einer bundesweiten Fachtagung. Dieser Band reflektiert die Frage nach den Bildungsbedürfnissen Erwachsener als Realisierung der Integration auch schwerst beeinträchtigter Menschen in der Spanne von der «totalen Institution» (Goffman) und ihrer Überwindung bis hin zur «advokatorischen Assistenz». Dabei wird nicht über, sondern in uneingeschränkter Teilhabe mit den Betroffenen diskutiert. Das Buch spannt einen breiten Fächer an Fragen, Problemen und zukünftig dringend zu berücksichtigenden Lösungsmöglichkeiten vor allem unter Aspekten der Assistenz auf.

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Lebenslanges Lernen für Menschen mit geistiger Behinderung –Selbstbestimmung und Integration 145

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Georg Feuser Lebenslanges Lernen für Menschen mit geistiger Behinderung – Selbstbestimmung und Integration 1. Lebenslanges Lernen … „Lebenslanges Lernen?“ – Nein! Entschieden Nein! – So höre ich Jugendliche und Erwachsene mit und ohne Behinderungen sagen, wenn ich sie danach frage, ob sie Angebote der Weiterbildung oder Erwachsenenbildung wahrnehmen. Sie wollen in Ruhe gelassen werden. Sie wollen nach einer langen Schulzeit nichts mehr in sich hineinpfropfen lassen, über sich selbst bestimmen, frei sein. Frage ich weiter, so muss ich zur Kenntnis nehmen, dass Lernen und Schule ihnen in hohem Maße das Gefühl der Unmündigkeit und Bevormundung vermittelt hat, dass sie nicht gefragt wurden, was sie beschäftigt, was sie vertieft kennen lernen und wissen wollten, welche Fragen und Probleme ihnen aus ihrer Bezugswelt entstanden sind – und welche sie zu und über sich selbst hatten. Andererseits sehen sie schon, dass sie heute Interessen haben und vor Fra- gen stehen, die sich ihnen während der Schulzeit noch nicht stellten. Eine Fort- setzung oder Wiederaufnahme „organisierten Lernens“, wie es schon von 1970 an durch den Deutschen Bildungsrat mit „Weiterbildung“ verbunden wurde, könnte doch hilfreich sein, auf viele dieser Fragen Antworten zu finden. Interes- se besteht auch dahingehend, Neues zu erlernen, das es zur Schulzeit noch nicht oder nur für die Betroffenen nicht gab; z.B. mit dem Computer umgehen zu können. Die Teilnehme an Angeboten oder Kursen, wie sie im Rahmen der „Erwachsenenbildung“ angeboten werden, sind zudem freiwillig. Sie unterlau- fen die Fähigkeit und Möglichkeit zur Selbstbestimmung nicht....

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