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Hegels Beitrag zur Bildungsdiskussion unter besonderer Berücksichtigung seiner Rechtsphilosophie

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Ellen Kraft

Verfolgt man die gegenwärtige pädagogische und politische Debatte, dann ist augenfällig, dass der Begriff der Bildung noch immer zu einem zentralen Leitbegriff gehört. Gleichwohl droht heute das Verständnis von Bildung auf abfragbare Kenntnisse verengt zu werden. Eine zunehmend empirisch ausgerichtete Pädagogik scheint das philosophische Moment in ihren Überlegungen zu vernachlässigen. Mit Hegels Konzeption von Bildung wird an ein ganzheitliches Verständnis vom gebildeten Menschen erinnert und dieses in die heutige Diskussion eingebracht. Hegel thematisiert das Verhältnis des Individuums zur Gemeinschaft, beleuchtet die Rolle der Institutionen von Familie, Gesellschaft und Staat im Bildungsprozess des Menschen und hat mit seiner Auffassung von Bildung uns Heutigen erstaunlich viel zu sagen.

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7. Die Fähigkeit zum Leben in Gemeinschaft als Kennzeichen von Bildung 113

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113 7. Die Fähigkeit zum Leben in Gemeinschaft als Kennzeichen von Bildung 7.1. Bildung als Fähigkeit zu sittlichem Handeln Wurden bislang der Weg, den das Individuum in seinem Bildungsprozess zu- rückzulegen hat, und der Charakter dieses Weges näher beleuchtet, so geht es nun darum, auf das gewünschte Ergebnis des Bildungsprozesses einzugehen. Bildung beschreibt für Hegel nicht nur einen Prozess, sondern auch ein Resultat, einen bestimmten Zustand und ein Verhalten des Menschen, in dem sich seine Bildung ausdrückt. Hegel beleuchtet dabei verschiedene Dimensionen. Er erläu- tert zum einen Bildung als die Fähigkeit zu einer ethischen Lebensführung, zum sittlichen Handeln überhaupt, konkretisiert dann Bildung im Hinblick auf ihre politische Dimension als die Fähigkeit zu einem Leben im Staat, und macht schließlich kenntlich, dass der Gebildete für ihn in der Lage ist, in seinem Ver- hältnis zur Gemeinschaft das Spannungsverhältnis und die Dialektik von Anpas- sung und Widerstand produktiv zu lösen. Doch zunächst soll es um Bildung als die Fähigkeit zu sittlichem Handeln gehen. Es ist charakteristisch für Hegel, dass sich für ihn Bildung nicht nur an einer bestimmten, nämlich vernünftigen Weise des Denkens bemisst, sondern vor allem auch an einer bestimmten Weise des Handelns. Gegenüber einer reinen Gesinnungsethik vertritt Hegel eine Ethik des Handelns.338 Es genügt ihm nicht die bloße Absicht des Menschen, Gutes tun zu wollen, sondern er muss dieses auch in seinen Handlungen zeigen und...

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