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Nonverbale Seelsorge im Kontext stationärer Pflege

Analysen, Beobachtungen und poimenische Postulate

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Olaf Krämer

Die Arbeit untersucht Lebensbedingungen und seelsorgerliche Herausforderungen in Altenpflegeheimen. Eine nähere Betrachtung stationärer Einrichtungen lässt das verbale Verstummen Pflegebedürftiger als ein zentrales Merkmal dieser Lebenswelt hervortreten. Das Nonverbale gewinnt im stationären Kontext somit an Bedeutung. Die Seelsorge wird genötigt, sich körpersprachlicher Ausdrucksformen zu bedienen. Dies wirft die Frage auf, wie eigentlich Seelsorgende in der Praxis nonverbal kommunizieren. Im Rahmen einer Multiple-Case-Fallstudie werden gefilmte Besuche von Seelsorgerinnen und Seelsorgern in Heimen unterschiedlicher Trägerschaft ausgewertet mit dem Ziel der Generierung einer gegenstandsbezogenen, praxistauglichen poimenischen Theorie.

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Teil II. Empirischer Ansatz 173

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173 Teil II. Empirischer Ansatz - Beobachtungen zur nonverbalen Interaktion im Vollzug der Heim- seelsorge - A. Theorien zum Nonverbalen Als Ergebnis des ersten Hauptteils wurde das Nonverbale als eine zentrale, kommunikative Herausforderung der Seelsorge im Pflegeheim identifiziert. Damit rücken die nonverbalen Verhaltensweisen der Interagierenden in ihrer poimenischen Relevanz in den Fokus des Interesses. Der empirische Teil dieser Arbeit konzentriert sich nun aus den bereits benannten praktischen wie inhaltli- chen Gründen auf den Aspekt der Körpersprache der Heimseelsorgerinnen und - seelsorger.707 Bevor ich die Ergebnisse der Beobachtungen präsentiere, sollen zunächst einige Theorien zur nonverbalen Kommunikation vorgestellt werden, die helfen sollen, die beschriebenen Verhaltensweisen besser einzuordnen und zu gewichten. Zugleich machen sie mit den für diese Studie zentralen Axiomen vertraut, auf die im Verlauf der Auswertung noch einmal Bezug genommen wird. Das lateinische Wort ‚communicatio‘, von dem sich ‚Kommunikation‘ ab- leitet, bedeutet ‚Mitteilung‘. Das für die Erforschung des Kommunikationspro- zesses grundlegende Modell geht auf Shannon/Weaver (1949) zurück.708 Vier Komponenten gehören demnach zur Kommunikation: Sender-Nachricht-Kanal- Empfänger. Mitteilungen werden zumeist nicht nur auf einem einzigen Übertra- gungskanal übermittelt. Es fließen sowohl verbale (Sprache), extraverbale (Zeit, Raum, soziale Faktoren, raumbezogenes Verhalten), parasprachliche (Stimmqualität, Sprechtempo, Intonation) als auch non-verbale (Gestik, Mimik, Körperhaltung und -bewegungen) Elemente in den Informationsgehalt ein. Dabei nehmen die nonverbalen Elemente, die in einem Gespräch soziale Be- deutungen vermitteln, einen weitaus größeren Teil als die verbalen ein, wie der Ethnologe und Linguist Birdwhistell meint. Er nimmt an,...

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