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Nonverbale Seelsorge im Kontext stationärer Pflege

Analysen, Beobachtungen und poimenische Postulate

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Olaf Krämer

Die Arbeit untersucht Lebensbedingungen und seelsorgerliche Herausforderungen in Altenpflegeheimen. Eine nähere Betrachtung stationärer Einrichtungen lässt das verbale Verstummen Pflegebedürftiger als ein zentrales Merkmal dieser Lebenswelt hervortreten. Das Nonverbale gewinnt im stationären Kontext somit an Bedeutung. Die Seelsorge wird genötigt, sich körpersprachlicher Ausdrucksformen zu bedienen. Dies wirft die Frage auf, wie eigentlich Seelsorgende in der Praxis nonverbal kommunizieren. Im Rahmen einer Multiple-Case-Fallstudie werden gefilmte Besuche von Seelsorgerinnen und Seelsorgern in Heimen unterschiedlicher Trägerschaft ausgewertet mit dem Ziel der Generierung einer gegenstandsbezogenen, praxistauglichen poimenischen Theorie.

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Teil III. Folgerungen 321

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321 Teil III. Folgerungen - Typen der Seelsorge im Altenpflegeheim - A. Pflegeheimseelsorge als nonverbale Verkündigung Die inhaltsanalytischen Auswertungen des zweiten Hauptteils zeigen, dass zahlreiche Interaktionsmodi geeignet sind, auf (zentrale) Aspekte des christli- chen Gottesbildes anzuspielen und hinzuweisen, jene zu akzentuieren, darzu- stellen bzw. in Körpersprache zu übertragen. Die im letzten Kapitel geschilder- ten, mutmaßlich dazu beitragenden Mechanismen des körpersprachlichen Verdichtungsvorganges dürften einen solchen Gebrauch des Nonverbalen begünstigen. Das nonverbale Sprachspiel der Seelsorgerinnen und Seelsorger scheint demnach regelmäßig auf biblische, dogmatische oder systematische Inhalte zu rekurrieren, auf jene bezogen und durch sie angeregt zu sein. Hinter diesem Vorgang scheint die Absicht zu stehen, den Pflegebedürftigen Gewichti- ges, Existenzielles, für ihre Situation höchst Bedeutsames zu kommunizieren. Diese Art nonverbaler Anrede ist also mehr als nur Mitteilung oder Information. Vielmehr überbringt sie eine Botschaft, die Betroffenheit wecken und in das Leben des Gegenübers gleichsam (tröstend, erbauend, ermutigend) ‚eingreifen‘ will. Die gezielt akzentuierten Facetten christlicher Gottesvorstellung werden, so scheint es, nonverbal ‚verkündigt‘ mit der seelsorgerlichen Intention, „Nach- druck“ zu legen auf das „In-Kraft-Treten“1070 des Verkündigten. Dies ist inso- fern stets von ungebrochener „Aktualität“ bzw. existenzieller Relevanz. In Kraft gesetzt werden soll, wie es im Kontext des Pflegeheims naheliegt, der tröstende Aspekt der jeweils dargestellten Gottesvorstellung in der Erwartung, dieser stoße beim Pflegebedürftigen auf eine günstige Resonanz, sei es, dass sie Vertrauen weckt oder dass sie vertrauensvolle Zustimmung findet und also das Tragen des...

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