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Ein neues Zuhause?

Eine ethnographische Studie in einem Altenpflegeheim

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Wolfgang Hahn

Kann ein Altenpflegeheim ein neues Zuhause werden? Dieser Frage geht diese Mikrostudie, eine empirische Ethnographie der eigenen Kultur, über mehrere Jahre nach. Gegensätzliche Kriterien, die kaum miteinander vereinbar sind, treffen zusammen: Der caritative Gedanke, den alten Menschen zu helfen und die Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte durch die Ökonomisierung des Hilfs- und Pflegemarktes. Der Autor fungiert in einer Doppelrolle. Er ist als Sozialarbeiter vor Ort tätig und betreut die alten Menschen in sozialen und kulturellen Fragen. Als Ethnologe beschreibt er das Leben im Heim aus der Sicht der Personen, die dort wohnen und arbeiten. Neben diesem Blickwinkel reflektiert er sein persönliches Handeln und betrachtet zusätzlich das Geschehen im Haus aus einer distanzierten Forscherperspektive.

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Prolog 9

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9Prolog Meiner Arbeit möchte ich zwei Leitsätze voranstellen. Sie sollen die Gegensätz- lichkeiten – wie Altenpflegeheime beurteilt werden – aufzeigen. Zuerst stelle ich den diakonischen Gedanken in den Vordergrund, dann die Forderung, die Heime zu schließen, da die Grundrechte der Bewohnerinnen eingeschränkt werden (Dörner u.a. 2001: 34). Erstes Motto: „Mittelpunkt der Arbeit in stationären Einrichtungen ist der alte Mensch. Seine Bedürfnisse und Wünsche bilden den Maßstab für alle Dienste. Sie orientieren sich an folgenden Leitzielen: • Erhaltung der menschlichen Würde und der individuellen Persönlichkeit • Erhaltung oder Wiedergewinnung einer möglichst selbständigen Lebensfüh- rung • Teilnahme am sozialen, gesellschaftlichen und kulturellen Leben der Gemein- schaft“ (Diakonisches Werk in Hessen und Nassau 1994: 132). Zweites Motto: „Für eine Auflösung der Heime.“ • „Eine Unterbringung in der Institution Heim ist nicht [ … ] zeitlich befris- tet, sondern tendiert auf ein lebenslängliches ,open end‘ und beeinträchtigt die biographische Zukunftsfähigkeit. Sie sortiert Menschen nach bestimmten Defizit-Merkmalen“ (Dörner u.a. 2001: 32). • „Die vom Gesetzgeber geforderte Beachtung der Persönlichkeitsrechte von Heimbewohnern und die Ökonomisierung des Hilfs- und Pflegemarktes schlie- ßen sich aus“ (Dörner u.a. 2001: 35). Mir ist wichtig, hier die Zeit während meines Arbeitsantritts im Altenpflegeheim zu schildern: Es war Zufall, dass ich als berufsfremder Mitarbeiter eingestellt wurde. Bald kamen mir die ersten Zweifel, ob diese Entscheidung denn die rich- tige gewesen sei. Ich hatte die psycho-soziale Betreuung der Bewohnerinnen übernommen, musste mich dabei mit Menschen abgeben, die eigentlich...

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