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Die Entwicklung der Rechtschreibkompetenz beim Textschreiben

Eine empirische Untersuchung in Klasse 1 bis 4

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Johanna Fay

Die Rechtschreibkompetenz ist facettenreich: Diktierte Wörter und Sätze stellen andere Anforderungen als selbst verfasste Texte; und die jeweilige Wortwahl hat entscheidenden Einfluss. Die Autorin hat ein Analyseverfahren entwickelt, mit dessen Hilfe es gelingt, die Rechtschreibkompetenz zu messen und dabei diese unterschiedlichen Anforderungen zu berücksichtigen. In ihrer Studie analysiert sie die Entwicklung der Rechtschreibkompetenz von Klasse 1 bis 4 in 120 Lernertexten und vergleicht diese Leistungen mit denen aus Rechtschreibtests. Die Ergebnisse zeigen eindrucksvoll: Was in der Rechtschreibdiagnostik gewöhnlich getestet wird, ist nur eine Facette der Rechtschreibkompetenz, die mit den Leistungen in frei verfassten Schreibungen allenfalls tendenziell übereinstimmt.

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Einleitung 9

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Einleitung Befragt man Lehrerinnen und Lehrer1 zu den Rechtschreibleistungen ihrer Schü- ler in der Grundschule, nennen sie oftmals eine Schwierigkeit: Was ein Kind im Diktat oder Lückentext schon richtig schreiben kann, klappt im frei verfassten Text plötzlich nicht mehr. Die Konzentration auf inhaltliche und sprachliche Aspekte des Textschreibens geht – so die Vermutung – offenbar zu Lasten der Aufmerksamkeit für die Orthographie. Damit stellen die Lehrkräfte implizit fest, dass der ‚Handlungszusammenhang’, in dem richtig geschrieben werden soll, einen Einfluss auf die Rechtschreibleistung der Kinder hat. Diesem im Unterrichtsalltag beobachteten Axiom wird in der vorliegenden Stu- die wissenschaftlich nachgegangen. Das Forschungsinteresse richtet sich dabei auf das Verhältnis zwischen dem ‚Handlungszusammenhang’ und der Recht- schreibkompetenz der Schreiblerner: Abb. 1: Unabhängige und abhängige Variable der Untersuchung. Es wird differenziert untersucht, wie sich die Rechtschreibkompetenz beim Textschreiben in der Primarstufe entwickelt und wie sich diese Entwicklung von derjenigen beim Schreiben einzelner Wörter und diktierter Sätze unterscheidet. So ist die Studie mit einem Bereich der Deutschdidaktik befasst, der hierzulan- de, wie kaum ein anderer, mit dem Sozialisations- und Bildungserfolg des Ein- zelnen verknüpft ist: Die Rechtschreibkompetenz ist ein wichtiger Teil der Al- phabetisierung und trägt dazu bei, dass Menschen unmittelbar schriftsprachlich agieren können und dabei, so nennt es Giese, „unauffällig“ bleiben. Wer abweichend, fehlerhaft schreibt, sieht sich plötzlich in einer Situation, in der sein fehlerhaftes orthographisches Können thematisiert wird und sein schriftliches Produkt- plötzlich anders rezipiert wird: es wird nicht...

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