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Himmel auf Erden - Heaven on Earth

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Edited By Rudolf Suntrup and Jan R. Veenstra

Für den mittelalterlichen Menschen waren das Bewusstsein und der Lebensalltag vom Glauben an das konkret vorgestellte Jenseits in einer Selbstverständlichkeit und Intensität geprägt, die für den modernen Menschen kaum noch nachvollziehbar ist. Wenngleich die Bildsprache vom ‘Himmel’ und die Rede vom ‘Himmel auf Erden’ heute gerade im außerreligiösen Kontext – als Buchtitel, im Schlager, in Redensarten und im Werbetext – verbreitet ist, wird in diesem thematisch geschlossenen Tagungsband in Einzelstudien der Frage nachgegangen, wie im Spätmittelalter und im Übergang zur Frühen Neuzeit die Idealvorstellung vom ‘Himmel’ auf bestimmte Formen individueller Lebensführung, gesellschaftlicher Organisation und künstlerischer Gestaltung einwirkt. Konkret fassbar wird dies etwa in Bereichen von Politik und Gesellschaft (Herrscher, Staat, Schulwesen, Theokratie), in religiöser Praxis (zweckbestimmte Armenfürsorge, Wallfahrt) und in bestimmten Kunstformen (Meistergesang, geistliches Lied, allegorische Dichtung). Der Band enthält sechs deutschsprachige und drei englische Beiträge.
For medieval man heaven was a concrete reality. Belief in the afterlife was self-evident and intense in a way that is difficult to imagine for modern man who knows heaven sooner from booktitles, songs, figures of speech or advertisements than from every-day experience. The contributions to this volume of proceedings, however, deal with the question how in the late-medieval and early-modern period the idealized image of heaven influenced life, society and art. The various essays deal with the impact of this idealism on politics and society (ruler, state, education, theocracy), on religious practice (poor relief, pilgrimage), and on different art forms (Meistergesang, religious song, and allegorical poetry). The volume contains six German and three English contributions.

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Die ‘älteste Tochter der Kirche’ ist zugleich auch die schönste:Inländische Propaganda der Generalstände Frankreichs (ca. 1450-1650)Martin Gosman (Groningen) 1

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Die ‘älteste Tochter der Kirche’ ist zugleich auch die schönste: Inländische Propaganda der Generalstände Frankreichs (ca. 1450-1650) Martin Gosman (Groningen) Die Geschichte lehrt, dass jede Gruppe sich eine eigene ‘Identität’ wünscht, die – dieser Anspruch wird jedenfalls erhoben – individuell ist. Das sogenannte ‘Wir-Gefühl’, das die Einheit einer ‘in-group’ voraussetzt, wird durch eine An- zahl von Kennzeichen bestimmt,1 die das soziopolitische Leben beeinflussen. Zu diesen Kennzeichen gehören nicht allein Gebräuche (die kodifiziert sind oder auch nicht), sondern auch und vor allem Annahmen, die gesteuert durch Propagandamechanismen (wozu man ‘fröhliche Einmärsche’, Feste, Zeremo- nien, Texte, Theaterstücke usw. zählen kann) ein Gefühl der Besonderheit fördern. Dass dies Möglichkeiten für allerlei Formen der Machtbestätigung bietet, zeigt sich im langsamen Prozess der Entstehung der Nation, der sich im 16. Jahrhundert zu manifestieren beginnt und der im 19. Jahrhundert zum Nationalismus des modernen Staates führt. Dieses Phänomen, welches noch immer aktuell ist (viele entstehende Staaten reizen die Nationalismuskarte völlig aus, um damit eine ‘regierbare’ soziale und politische Kohäsion zu unterstützen), ist allgemein bekannt und bedarf keines weiteren Kommentars. Der Unterschied zwischen dem modernen Nationalismus und dem der hier im Mittelpunkt stehenden Periode ist die stark theologisch-moralistische Ein- färbung des Denkens in früheren Jahrhunderten: Der irdische Mikrokosmos ist eine Widerspiegelung des himmlischen Makrokosmos, und der Fürst hat hier- über nicht nur von Gott die Regie bekommen, sondern ist auch – und die Analogie...

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