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Die Herren der Hanse

Delegierte und Netzwerke

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Dietrich W. Poeck

Was war die Hanse? Ein Städtebund? Diese Untersuchungen betrachten die «Städtehanse» unter einem neuen Aspekt und kommen zu einer anderen Antwort auf diese seit hundert Jahren strittige Frage. Im Mittelpunkt stehen die Ratsherren, die als Delegierte Städte auf dem Hansetag vertraten und die hansische Politik bestimmten. Es zeigt sich, dass diese Herren nicht an erster Stelle auf die Interessen einer Stadt verpflichtet waren. Sie waren verwandtschaftlich und geschäftlich mit führenden Kaufleuten und Ratsherren in anderen Städten verbunden. Auf Hansetagen trafen sie enge Geschäftspartner und Verwandte wie Cousins, Schwäger, Onkel oder sogar Brüder, die als Delegierte anderer Städte auftraten. Die (handelspolitischen) Interessen dieser städteübergreifenden Netze vertraten die Delegierten auf den Versammlungen. Auf Hansetagen wurden die unterschiedlichen Netze immer wieder zum Netzwerk Hanse verbunden.

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V Netzwerk Hanse - 509

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V Netzwerk Hanse Was hat unser Blickwechsel von den Städten zu den Delegierten für das Verständnis der Hanse gebracht? Rekapitulieren wir für eine knappe Antwort kurz unseren Weg. Die bisherige Forschung sah den `HansebundA seit der Mitte des 14. Jahrhunderts, seit den ersten Treffen der Vertreter der Städte auf Hansetagen als Zusammenschluss von Städten, als `StädtehanseA. Diese Vorstellung wurde vor einigen Jahren durch die rechtsgeschichtlichen Untersuchungen von Pitz in Frage gestellt. Er stellte demge- genüber zwei `EinungenA vor, die Bürgereinung (Stadt) und die Städteeinung (Han- se), die sich in einer Identität der Willen zusammenfinden konnten. Das auch für sei- ne Interpretation wichtige Phänomen der städteübergreifenden Gemeinschaft konnte mit dieser allerdings nicht angemessen beschrieben werden. Wir hatten die Delegierten zum Hansetag, der einzigen hansischen „Institution“, in den Mittelpunkt gestellt. Die zentrale Bedeutung dieser Herren für Formulierung und Gestaltung der hansischen Politik ist unübersehbar: In ihren Versammlungen gewann die (politisch handelnde) Gesamthanse Gestalt. Auf den Hansetagen wurden Strategien zur Erhaltung der hansischen Vorrechte (Privilegien) und der Abwehr von Konkurrenten diskutiert, und die daraus sich ergebenden politischen Aktionen (Ver- handlungen, Blockade, Krieg) wurden beschlossen. Um diese Beschlüsse umzuset- zen, waren die Ressourcen der Städte nötig. Die Delegierten konnten als Ratsherren die finanzielle und/oder militärische Unterstützung ihres Rates für die auf dem Han- setag gefassten Beschlüsse gewinnen. Dazu mussten sie Verbündete im Rat ihrer Stadt haben, mussten also auf...

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