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Übersetzen und Interpretation

Die Herausbildung der Übersetzungswissenschaft als eigenständige wissenschaftliche Disziplin im deutschen Sprachraum von 1960 bis 2000

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Holger Siever

Diese Arbeit verfolgt drei miteinander eng verbundene Ziele: Zum einen soll die Entwicklung und Ausdifferenzierung der Übersetzungs wissenschaft als eigenständige Wissenschaftsdisziplin im Zeitraum von 1960 bis 2000 im deutschen Sprachraum nachgezeichnet werden. Zum anderen soll die Abfolge der verschiedenen Übersetzungstheorien in diesem Zeitraum mit der Theorieentwicklung in den übrigen Wissenschaften korreliert werden. Zu diesem Zweck werden die Übersetzungs theorien anhand ihrer grundsätzlichen Gemeinsamkeiten zu Paradigmen zusammengefasst. Diese beiden Teilziele dienen einem übergeordneten Zweck: Das Ergebnis der Untersuchung mündet in der Darlegung einer integrativen, semiotisch und interpretationstheoretisch fundierten Theorie des Übersetzens.

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5. Das handlungstheoretische Paradigma -146

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146 5. Das handlungstheoretische Paradigma 5.1 Einführung Die Beschränkungen des linguistischen Paradigmas wurden im Zuge der pragma- tischen Wende in der Linguistik immer deutlicher. Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts zeichnete sich ein weiterer Paradigmen- wechsel in der Übersetzungswissenschaft ab. „An die Stelle der Transkodierungs- theorie wurde eine Handlungstheorie mit ihren Konsequenzen gesetzt“ (Vermeer 1989, 67). Die Theorie des translatorischen Handelns von Justa Holz-Mänttäri (1984) und die Skopostheorie120 von Hans J. Vermeer (Vermeer 1978; Reiß/Ver- meer 1984) haben der übersetzungswissenschaftlichen Theoriebildung neue Impul- se gegeben. Es entstanden Ansätze einer „funktionalistisch ausgerichteten, hand- lungstheoretisch begründeten Translationswissenschaft“ (Nord 2004b, 911). Diese Neuorientierung wirkte sich auch auf den Übersetzungs- bzw. Trans- lationsbegriff aus, worunter nicht mehr – wie im linguistischen Paradigma – ein Verhältnis von Textbedeutungen verstanden wurde, sondern der „Begriff der Translation als professioneller Tätigkeit“ geprägt wurde (Fleischmann 1999, 60). Fleischmann/Schmitt (2000, 57f.) sehen im Aufkommen der Skopostheorie und der Theorie des translatorischen Handelns einen Paradigmenwechsel hin zur „Interdisziplin Übersetzungs- oder (weiter gefasst) Translationswissenschaft“ bzw. einer „interdisziplinären Translationswissenschaft“, die „auf Einsichten und Zuar- beiten vieler anderer Disziplinen“ zurückgreift. Skopostheorie und Funktionalismus erheben zum ersten Mal den Anspruch auf „Gültigkeit für jegliches translatorische Handeln“ (Witte 2000, 35), also den An- spruch, „auf alle Textsorten anwendbar zu sein“ (Apel/Kopetzki 2003, 35). Durch den breit angelegten Theorierahmen der Ansätze des handlungstheoretischen Para- digmas ist es gelungen, die Ausgrenzung des Literaturübersetzens aus der Überset- zungswissenschaft aufzuheben und damit...

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