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Übersetzen und Interpretation

Die Herausbildung der Übersetzungswissenschaft als eigenständige wissenschaftliche Disziplin im deutschen Sprachraum von 1960 bis 2000

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Holger Siever

Diese Arbeit verfolgt drei miteinander eng verbundene Ziele: Zum einen soll die Entwicklung und Ausdifferenzierung der Übersetzungs wissenschaft als eigenständige Wissenschaftsdisziplin im Zeitraum von 1960 bis 2000 im deutschen Sprachraum nachgezeichnet werden. Zum anderen soll die Abfolge der verschiedenen Übersetzungstheorien in diesem Zeitraum mit der Theorieentwicklung in den übrigen Wissenschaften korreliert werden. Zu diesem Zweck werden die Übersetzungs theorien anhand ihrer grundsätzlichen Gemeinsamkeiten zu Paradigmen zusammengefasst. Diese beiden Teilziele dienen einem übergeordneten Zweck: Das Ergebnis der Untersuchung mündet in der Darlegung einer integrativen, semiotisch und interpretationstheoretisch fundierten Theorie des Übersetzens.

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6. Das systemisch-kultursemiotische Paradigma -235

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235 6. Das systemisch-kultursemiotische Paradigma 6.1 Einführung Die Ansätze des systemisch-kultursemiotischen Paradigmas ordnen die Über- setzungsforschung der Vergleichenden Literaturwissenschaft zu und behandeln in erster Linie Fragen, die literarische Übersetzungen betreffen. Dies unterscheidet sie sehr stark von den linguistischen, aber auch von den handlungstheoretischen Ansätzen. Zu den Vorläufern und Vordenkern des systemisch-kultursemiotischen Paradigmas der literarischen Übersetzung gehören vor allem die russischen Forma- listen und der Prager Strukturalismus, aber auch Jiří Levý ist dazuzurechnen. Zu den wichtigsten – und für den deutschsprachigen Raum einzig relevanten – Ansätzen des systemisch-kultursemiotischen Paradigmas gehören die Descriptive Translation Studies und die so genannte Göttinger Schule. Im Umfeld der Descriptive Translation Studies sind darüber hinaus auch feministische und postkoloniale Übersetzungstheorien entstanden. Die systemisch-kultursemiotischen Ansätze sind vor allem an literaturwissen- schaftlich orientierten Beschreibungen und Vergleichen interessiert. Sie verorten die einzelnen (literarischen) Übersetzungen in einem kultursemiotisch gedeuteten kulturellen System. Durch dieses Vorgehen können zum Beispiel epochenspezi- fische Gemeinsamkeiten von literarischen Übersetzungen als Ergebnis bestimmter zeitbedingter Übersetzungsnormen beschrieben werden. Die systemisch-kultursemiotischen Ansätze sind „den literarischen Systemen und der Funktion der Übersetzung in den Nationalliteraturen zugewandt“ (Prunč 2001, 303). Dementsprechend wurden sie – ähnlich wie auch Skopostheorie und Funktionalismus – „von vornherein finalistisch und zielkulturell konzipiert“ (Prunč 2001, 304). Literatur wird seit langem als wichtiger Teilbereich der Kultur verstanden, der wie alle Zeichensysteme mit den Mitteln der Semiotik zu untersuchen ist. Insofern nimmt es nicht Wunder, dass die „Wende zur Kultur“ (Apel/ Kopetzki 2003, 18) mit einer semiotischen Grundorientierung einhergeht. Anregungen aus...

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