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Übersetzen und Interpretation

Die Herausbildung der Übersetzungswissenschaft als eigenständige wissenschaftliche Disziplin im deutschen Sprachraum von 1960 bis 2000

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Holger Siever

Diese Arbeit verfolgt drei miteinander eng verbundene Ziele: Zum einen soll die Entwicklung und Ausdifferenzierung der Übersetzungs wissenschaft als eigenständige Wissenschaftsdisziplin im Zeitraum von 1960 bis 2000 im deutschen Sprachraum nachgezeichnet werden. Zum anderen soll die Abfolge der verschiedenen Übersetzungstheorien in diesem Zeitraum mit der Theorieentwicklung in den übrigen Wissenschaften korreliert werden. Zu diesem Zweck werden die Übersetzungs theorien anhand ihrer grundsätzlichen Gemeinsamkeiten zu Paradigmen zusammengefasst. Diese beiden Teilziele dienen einem übergeordneten Zweck: Das Ergebnis der Untersuchung mündet in der Darlegung einer integrativen, semiotisch und interpretationstheoretisch fundierten Theorie des Übersetzens.

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8. Übersetzen als Metapher und als Begriff -331

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331 8. Übersetzen als Metapher und als Begriff 8.1 Einführung Je häufiger ein Ausdruck verwendet wird, desto unschärfer wird seine Bedeutung. Das Schicksal großer Bedeutungsvielfalt teilt sich der Übersetzungsbegriff mit einigen anderen wissenschaftlichen Grundbegriffen wie Kultur, Kommunikation, Sprache, Zeichen, Symbol usw. An Begriffe und Metaphern werden unterschiedliche Anforderungen gestellt. Ein Begriff muss – wenn nicht im Rahmen einer wissenschaftlichen Disziplin, so doch zumindest auf der Ebene einer bestimmten wissenschaftlichen Theorie – klar definiert sein. Metaphern hingegen sollen einen Gedanken durch größere Anschau- lichkeit plausibel machen. Eine präzise Begriffsbestimmung wäre für den Erfolg einer Metapher geradezu hinderlich. Metaphern leben neben ihrer Bildlichkeit auch wesentlich von den unscharfen bzw. „verschwommenen Rändern“ (Wittgenstein 1984, 280), während die extensionalen und intensionalen Grenzen von Begriffen scharf gezogen werden (sollten). In Bezug auf die Ausdrücke »Übersetzen« und »Übersetzung« ist festzuhalten, dass sie von einigen Autoren nicht als Begriff, sondern als Metapher verwendet werden. Zwei unterschiedliche Verwendungsweisen der Übersetzungsmetapher sind hierbei zu unterscheiden: Zum einen die metaphorische Rede vom Übersetzen als Sprachverstehen und zum anderen die metaphorische Rede vom Übersetzen als Kulturverstehen. Beide Übersetzungsmetaphern fanden ihre noch heute bestimmenden Ausgestal- tungen in der Frühromantik, auf deren zentrale Rolle bereits hingewiesen wurde.251 In der aktuellen Diskussion sind es vor allem vier Gruppen von Wissenschaftlern, die mit der einen oder anderen Form von Übersetzungsmetapher arbeiten: Erstens Hermeneutiker, zweitens Vertreter des literarischen Übersetzens, insbesondere im Umfeld der Descriptive Translation Studies und der Göttinger Schule, drittens Litera- tur- und Kulturwissenschaftler,...

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