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Übersetzen und Interpretation

Die Herausbildung der Übersetzungswissenschaft als eigenständige wissenschaftliche Disziplin im deutschen Sprachraum von 1960 bis 2000

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Holger Siever

Diese Arbeit verfolgt drei miteinander eng verbundene Ziele: Zum einen soll die Entwicklung und Ausdifferenzierung der Übersetzungs wissenschaft als eigenständige Wissenschaftsdisziplin im Zeitraum von 1960 bis 2000 im deutschen Sprachraum nachgezeichnet werden. Zum anderen soll die Abfolge der verschiedenen Übersetzungstheorien in diesem Zeitraum mit der Theorieentwicklung in den übrigen Wissenschaften korreliert werden. Zu diesem Zweck werden die Übersetzungs theorien anhand ihrer grundsätzlichen Gemeinsamkeiten zu Paradigmen zusammengefasst. Diese beiden Teilziele dienen einem übergeordneten Zweck: Das Ergebnis der Untersuchung mündet in der Darlegung einer integrativen, semiotisch und interpretationstheoretisch fundierten Theorie des Übersetzens.

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9. Rückblick – Ausblick -341

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341 9. Rückblick – Ausblick Die Übersetzungswissenschaft hat sich im Zeitraum zwischen 1960 und 2000 nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern auch in anderen wichtigen Kultur- nationen zu einer „vielfältigen, nach außen nicht immer ganz einheitlichen Disziplin entwickelt“ (Prunč 2001, 302). Dieser „Konsolidierungsprozess“ ist inzwischen als „abgeschlossen“ zu betrachten (Prunč 2001, 302), wie die Publi- kation mehrerer Handbücher zum Ende des 20. Jahrhunderts (Shuttleworth/Cowie 1997; Snell-Hornby u. a. 1998; Baker 1998) oder die Herausgabe des Translation Studies Reader (Venuti 2000) oder des umfassenden Internationalen Handbuchs der Über- setzungsforschung (A. P. Frank u. a. 2004) zu Beginn des 21. Jahrhunderts zeigen. Die Geschichte des Übersetzens von der Antike bis zur Mitte des 20. Jahrhun- derts ist durch lange Perioden der Kontinuität gekennzeichnet und wurde vor allem von dem alles beherrschenden Gegensatz zwischen wörtlichem und sinngemäßem Übersetzen geprägt. Die Geschichte der modernen Übersetzungswissenschaft seit den 1950er Jahren ist hingegen durch zahlreiche Wenden (turns) charakterisiert, die eine Vielzahl von Ansätzen hervorgebracht haben. In der einschlägigen Literatur werden immer wieder die folgenden fünf Wenden benannt: • die linguistische Wende • die textlinguistische Wende • die handlungstheoretische Wende (pragmatische Wende) • die kognitive Wende • die kulturelle Wende Die sechste, die interpretative Wende, soll von der vorliegenden Arbeit ausgehen. Jedes Paradigma „führt stets eine bestimmte Hierarchie der Relevanz unter den Tatsachen ein“ (Bayertz 1981, 43). Diese Hierarchie der Relevanz lässt sich an den Leitbegriffen wie Äquivalenz, Invarianz, Varianz, Differenz, Implikation usw. festmachen. Nicht jede Wende führte zu...

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