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«Ein Ereignis von weltgeschichtlicher Bedeutung»

Die Balfour-Deklaration in der veröffentlichten Meinung

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Monika Brockhaus

Die Balfour-Deklaration ist unzweifelhaft ein Ereignis von weltgeschichtlicher Bedeutung. Sie prägte die zionistische Bewegung, das israelische Geschichtsnarrativ und die internationale Staatenwelt entscheidend. Aus Darstellungen des Nahostkonfliktes ist sie nicht wegzudenken. Die Studie untersucht mittels internationaler zeitgenössischer Zeitungen, wie sich die Bedeutsamkeit der Erklärung im Laufe des Ersten Weltkrieges und der Nachkriegszeit bis 1922 generierte und entwickelte. Erst durch die Presse konnte die Deklaration ihre nachhaltige politische Bedeutung erfahren. In der Kriegsperiode beeinflussten sich Erklärung und Kriegspropaganda wechselseitig. Nach Kriegsende lässt sich eine Debattenverschiebung konstatieren: Die arabische Bevölkerung Palästinas gerät nun stärker in den Blick.

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3 DIE ENTWICKLUNG DER DEBATTE 73

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3 Die Entwicklung der Debatte 3.1 Friedenskonferenz 1919 Die Pariser Friedenskonferenzen tagten vom 18. Januar bis zum 28. Juni 1919. Die- se interalliierten Verhandlungen gingen aus dem Alliierten Obersten Kriegsrat her- vor, der sich aus den drei europäischen Hauptsiegermächten Großbritannien, Frankreich und Italien und der „assoziierten“ Macht USA zusammensetzte.388 Ziel der Konferenz war eine Friedensordnung, in der die Grundsätze der im Krieg ent- wickelten „neuen Diplomatie“ praktiziert werden: Öffentlichkeit, Orientierung am Selbstbestimmungsrecht der Völker und Schaffung eines Völkerbundes zur ge- meinsamen Klärung von Streitfragen.389 Im Januar 1918 hatte Präsident Wilson in einer Rede sein 14-Punkte-Programm dargelegt, das maßgeblich zur Entwicklung dieser „neuen Diplomatie“ beigetragen hatte. Ursofsky zufolge, brachten besonders die Forderung nach einem Verzicht auf Annexionen von Territorien und das dort ebenfalls enthaltene Prinzip der nationalen Selbstbestimmung die Zionisten in die Defensive, da die Balfour Deklaration in ihrer Essenz und auch mit ihrer Andeu- tung eines britischen Protektorats, beide Konzepte verletze.390 Seit 1918 wurde auf Alliierter Seite an Plänen für die Statuten des Völkerbundes gearbeitet. Hieran waren auch die Briten Robert Cecil und Jan Christian Smuts be- teiligt. Letzterer entwickelte den Kern des späteren Mandatssystems, das er ur- sprünglich nur für die ehemals osmanischen Gebiete und Osteuropa vorgesehen hatte.391 Durch das Mandatssystem konnte das „potentielle Mienenfeld der Selbst- bestimmung“392 umgangen werden. Smuts hatte vorgeschlagen, dass der Völker- bund als Treuhänder in Territorien agieren solle, die zuvor zu Russland, Österreich- Ungarn und der...

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