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Brasilien auf dem Weg zum Global Player

Das politische Vermächtnis Lulas

Marcus Hölzl

Die politische Weltordnung ist im Umbruch. Die unipolare Stellung der USA geht ihrem Ende entgegen und weicht einer neuen Multipolarität. Neben China und Indien wird in dieser auch Brasilien eine essentielle Rolle spielen. Lange Zeit stellte es nur einen an der Peripherie angesiedelten Entwicklungsstaat dar, doch lässt sich nun eine Aufbruchsstimmung ausmachen, an der die Wahl des Linkspolitikers Lula zum Präsidenten im Jahr 2002 maßgeblichen Anteil hatte. Nach acht Jahren unter seiner Ägide ist es angebracht, den Fokus auf die Errungenschaften brasilianischer Innen- und Außenpolitik zu richten. Ist es Lula gelungen, Brasilien in der internationalen Gemeinschaft jenen Status zu verschaffen, den das Land gemäß seinem Selbstverständnis für sich in Anspruch nimmt: jenen eines Global Player?

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1. Einleitung 13

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13 1. Einleitung O Brasil é o país do futuro e sempre será heißt es oft: „Brasilien ist das Land der Zukunft und wird es immer sein”. Zumindest der erste Teil dieses Sprich- wortes wurde von einem Österreicher geprägt, denn in seinen letzten Lebensjah- ren verließ der Schriftsteller und Jude Stefan Zweig das vom anbrechenden Zweiten Weltkrieg zerrissene Europa und zog sich nach Petrópolis, einer kleinen Stadt in den Bergen unweit von Rio de Janeiro, zurück. Dort verfasste er 1941, inspiriert von Landschaft und Menschen, das Buch „Brasilien – das Land der Zukunft“. Zweig hatte den tiefen Glauben, dass das Land ein schlafender Riese war, mit einem großartigen Potential, welches sich im Laufe der folgenden Jahr- zehnte entfalten würde. Nahezu siebzig Jahre sind seither vergangen und Kritiker formten aus Zweigs Buchtitel jenes eingangs erwähnte Sprichwort, indem sie ihn mit dem sarkastischen Zusatz „und wird es immer sein“ versahen. Und in der Tat ist man verleitet, diesen Stimmen zumindest zum Teil Gehör zu schenken, denn ob- gleich Brasilien in bestimmten Bereichen wie beispielsweise dem technologi- schen Sektor und der Exportlandwirtschaft beachtliche Fortschritte erzielt hat und es auf diese Weise schaffte, nicht mehr als Entwicklungsland, sondern als Schwellenland zu gelten, ist es im Grunde genommen doch noch immer mit denselben Problemen wie vor über einem halben Jahrhundert konfrontiert: eine ineffektive und überkomplexe Staatsbürokratie, eine immense Kluft zwischen Arm und Reich, eine in weiten Kreisen des Landes hungernde Bevölkerung, eine korrupte Polizei, eine exorbitant...

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