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Brasilien auf dem Weg zum Global Player

Das politische Vermächtnis Lulas

Marcus Hölzl

Die politische Weltordnung ist im Umbruch. Die unipolare Stellung der USA geht ihrem Ende entgegen und weicht einer neuen Multipolarität. Neben China und Indien wird in dieser auch Brasilien eine essentielle Rolle spielen. Lange Zeit stellte es nur einen an der Peripherie angesiedelten Entwicklungsstaat dar, doch lässt sich nun eine Aufbruchsstimmung ausmachen, an der die Wahl des Linkspolitikers Lula zum Präsidenten im Jahr 2002 maßgeblichen Anteil hatte. Nach acht Jahren unter seiner Ägide ist es angebracht, den Fokus auf die Errungenschaften brasilianischer Innen- und Außenpolitik zu richten. Ist es Lula gelungen, Brasilien in der internationalen Gemeinschaft jenen Status zu verschaffen, den das Land gemäß seinem Selbstverständnis für sich in Anspruch nimmt: jenen eines Global Player?

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2. Brasilien – Kolonie, Kaiserreich, Diktatur, Demokratie 19

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19 2. Brasilien – Kolonie, Kaiserreich, Diktatur, Demokratie „Wer immer Brasiliens Heute schildert, beschreibt unbewusst schon sein Ges- tern. Nur wer seine Vergangenheit ins Auge fasst, sieht seinen wahren Sinn.“ Stefan Zweig Um die Gegenwart zu verstehen und die Zukunft erahnen und möglicherweise in Nuancen sogar prognostizieren zu können, ist es stets lohnenswert, wenn nicht unverzichtbar, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. In diesem Falle be- deutet dies, zu den historischen Wurzeln jenes geographischen Raumes und Staatsgebildes zurückzukehren, das der Welt heute als Brasilien bekannt ist. Schon in diesem Folgesatz muss ich jedoch den vorhergehenden relativieren, da die Aussage, bis zu den „historischen Wurzeln“ Brasiliens vorzudringen, die Gefahr in sich birgt, missverstanden zu werden: ich werde mit meiner geschicht- lichen Betrachtung im Jahre 1500 ansetzen, als ein Seefahrer namens Pedro Ál- vares Cabral am westlichen Rand des Atlantiks auf bislang unbekanntes Land stieß, dieses für die portugiesische Krone in Besitz nahm und mit diesem koloni- satorischen Akt gleichsam den Grundstein für die brasilianische Nation der Ge- genwart legte. Mir ist klar, dass dieser chronologischen Einschränkung der Vor- wurf des Eurozentrismus und der gleichzeitigen Negierung der zu diesem Zeit- punkt bereits seit Jahrhunderten vorhandenen indigenen Kulturen recht unmittel- bar folgen kann und ich gehe soweit zu behaupten, dass wir europäische Men- schen, die wir ein oftmals borniertes und in seiner Sichtweise tatsächlich sehr eingeschränktes Schulwesen durchlaufen durften, diesen Fehler auch noch im- mer häufig begehen. Dabei übersehen wir gerne, dass nicht...

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