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Brasilien auf dem Weg zum Global Player

Das politische Vermächtnis Lulas

Marcus Hölzl

Die politische Weltordnung ist im Umbruch. Die unipolare Stellung der USA geht ihrem Ende entgegen und weicht einer neuen Multipolarität. Neben China und Indien wird in dieser auch Brasilien eine essentielle Rolle spielen. Lange Zeit stellte es nur einen an der Peripherie angesiedelten Entwicklungsstaat dar, doch lässt sich nun eine Aufbruchsstimmung ausmachen, an der die Wahl des Linkspolitikers Lula zum Präsidenten im Jahr 2002 maßgeblichen Anteil hatte. Nach acht Jahren unter seiner Ägide ist es angebracht, den Fokus auf die Errungenschaften brasilianischer Innen- und Außenpolitik zu richten. Ist es Lula gelungen, Brasilien in der internationalen Gemeinschaft jenen Status zu verschaffen, den das Land gemäß seinem Selbstverständnis für sich in Anspruch nimmt: jenen eines Global Player?

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5. Exogene Determinanten – Brasilien in der Welt 199

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199 5. Exogene Determinanten – Brasilien in der Welt „Brasilien ist dabei, eine Weltmacht zu werden, es braucht dazu nicht unsere Zustimmung, und es ist unsere außenpolitische Pflicht, uns mit der existierenden Realität auseinanderzusetzen.“466 Henry Kissinger In der Vergangenheit spielte Brasilien auf dem internationalen Parkett keine re- levante Rolle. Nach der Unabhängigkeit 1822 kümmerte sich das Land in erster Linie um sich selbst, zumal es um den nationalen Aufbau und die Konsolidie- rung seiner territorialen Integrität ging, die durch innere Emanzipationsbewe- gungen immer wieder gefährdet war. Auch im 20. Jahrhundert blieb Brasiliens weltpolitische Rolle bescheiden. Seine Teilnahme am Zweiten Weltkrieg auf Seiten der Alliierten erfolgte spät und diskret.467 Über lange Zeit hinweg galt Brasilien dadurch als passive Regionalmacht, die in einer Position der Selbstiso- lation verharrte. Die Außenpolitik war stets professionell organisiert, aber zu- rückhaltend. Bereits seit der Präsidentschaft Cardosos und insbesondere dem Amtsantritt Lulas deutet vieles darauf hin, dass Brasilien eine außenpolitische Metamorphose hin zu einer regionalen Führungsmacht und einem globalen Ak- teur vollziehen möchte. Besonders zwei Aspekte könnten dem Land bei der Er- reichung dieses Ziels dienlich sein: zum einen der Umstand, dass Brasilien in Südamerika als demokratischer Stabilitätsanker fungiert, zum anderen könnte das Land – so Lulas Bestrebungen, die eklatante Ungleichheit im Land zu be- kämpfen, von Erfolg gekrönt sein sollten – ein Vorbild für sozialen Wandel dar- stellen. Mitunter wird auch von Brasiliens natürlicher „Berufung“ gesprochen, sich...

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