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Brasilien auf dem Weg zum Global Player

Das politische Vermächtnis Lulas

Marcus Hölzl

Die politische Weltordnung ist im Umbruch. Die unipolare Stellung der USA geht ihrem Ende entgegen und weicht einer neuen Multipolarität. Neben China und Indien wird in dieser auch Brasilien eine essentielle Rolle spielen. Lange Zeit stellte es nur einen an der Peripherie angesiedelten Entwicklungsstaat dar, doch lässt sich nun eine Aufbruchsstimmung ausmachen, an der die Wahl des Linkspolitikers Lula zum Präsidenten im Jahr 2002 maßgeblichen Anteil hatte. Nach acht Jahren unter seiner Ägide ist es angebracht, den Fokus auf die Errungenschaften brasilianischer Innen- und Außenpolitik zu richten. Ist es Lula gelungen, Brasilien in der internationalen Gemeinschaft jenen Status zu verschaffen, den das Land gemäß seinem Selbstverständnis für sich in Anspruch nimmt: jenen eines Global Player?

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6. Conclusio 261

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261 6. Conclusio „Das Brasilien von heute präsentiert sich so widersprüchlich wie seine Geschichte. Es trägt das Erbe von 500 Jahren Eroberung und Besiedelung, von Sklaverei und Einwanderung ge- wissermaßen schon genetisch in sich. Es trägt [...] in seinem kollektiven Gedächtnis diese 500 Jahre indianischen, europäischen und afrikanischen Einflusses und ein gutes Jahrhundert republikanischen Glaubens an ‚Ordnung und Fortschritt’. Brasilien nimmt, darin hat es keine Wahl, seine Vergangenheit mit in die Zukunft.“648 Politische Evolution Die wechselhafte Geschichte der politischen Evolution Brasiliens beginnt mit der Landung des Portugiesen Pedro Álvares Cabral im heutigen Bahia. Sieben Phasen der zivilisatorisch-kulturellen Entwicklung lassen sich definieren, in welchen das System – abgesehen von der kolonialen und imperialen Ära – ab 1889 stets zwischen republikanischen und autoritären Strömungen fluktuierte: 1. Brasilien als portugiesische Kolonie (1500-1822) 2. Das brasilianische Kaiserreich (1822-1889) 3. Die Erste (Alte) Republik (1889-1930) 4. Der Estado Novo (1930-1945) 5. Die Zweite Republik (1945-1964) 6. Die Militärdiktatur (1964-1985) 7. Die Dritte Republik (seit 1985/89) Eine brasilianische Besonderheit stellt der Umstand dar, dass Regimewechsel beziehungsweise Revolutionen ohne Blutvergießen und große gewalttätige Kon- flikte verliefen. Brasilien hat keinen Bürgerkrieg erlebt, der das Land in zwei Hälften gespalten hätte, noch gab und gibt es sezessionistische Guerrillas, die aus dem Untergrund heraus terroristische Anschläge verübt und subversive Ziele verfolgt hätten. Stets gelang es Brasilien, seine politischen Transitionsphasen verhältnismäßig weich und ohne Kollateralschäden zu gestalten, so auch 1822, als...

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