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Hoffen und zweifeln an der Kirche

Religiöse Reflektionen eines Nicht-Theologen

Friedhelm Zubke

Lebens- und Glaubenserfahrungen in der Welt des 21. Jahrhunderts können viele Menschen nicht mehr mit den historisch überkommenen Ritualen der Kirche in Einklang bringen. Die Unzufriedenen lassen sich nicht mehr durch Beschwichtigung zum Schweigen bringen, seitdem die Zeitschrift Publik-Forum, die NDR-Sendung Glaubenssachen und bekannte Buchautoren ein Forum zum Austausch bieten. Eine Amtskirche, die ängstlich ihren Bestand verteidigt, reagiert zögerlich, mithin findet das Unbehagen des Kirchenvolkes nur äußerst verhalten Gehör. Auf diese Situation reagiert der Autor mit einer Alternative, die er in zehn Kapiteln zur Diskussion stellt – insbesondere denen, die in einer Balance von Kontinuität und Wandel das Überkommene mit der Erfahrungswelt des 21. Jahrhunderts zu verbinden suchen.

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Einführung 11

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11 Einführung Kritik an der Amtskirche gab es zu allen Zeiten. Schon vom ersten Jahr- hundert sind massive Auseinandersetzungen darüber bekannt, wie die Lehre Jesu von den Gemeinden in Jerusalem und Antiochien vertreten wurde. Unduldsamkeit gegen Denken, das von der herrschenden Meinung abweicht, ist charakteristisch für das Handeln der offiziellen Kirche geblie- ben. Auf Kritik aus den eigenen Reihen reagiert die Amtskirche mit dras- tischen Maßnahmen. Meister Eckhart [Eckhart von Hochheim], geb. um 1260, gest. 1327, hatte einen Dauerstreit mit der offiziellen Kirche, nachdem er es gewagt hatte, als Denker eigene Wege zu gehen. Sein Vergehen bestand im Verlassen der von der Amtskirche vorgegebenen traditionellen Bahnen. Damals wie heute hat die offizielle Kirche eine pathologisch zu nennende Angst, es könnte ihr eine Entwicklung entgleiten, sie könnte an Einfluss verlieren. Reglementierungen beider Konfessionen gegenüber Theologen an Universitäten und in Gemeinden unterscheiden sich nur punktuell von- einander: Beziehen sich Anfragen und Kritik auf die von der katholischen oder evangelischen Kirche vertretene Lehrmeinung, reagieren sie in ähnli- cher Weise: Papst- und kirchenkritische Äußerungen von Hans Küng hatten 1979 den Entzug der kirchlichen Lehrbefugnis zur Folge. Mit seiner eigen- ständigen Deutung biblischer Schriften hatte Eugen Drewermann die Deu- tungshoheit der Kirche verletzt, was 1992 zum Entzug der Predigtbefugnis und der Amtsenthebung als Subsidiar an der Paderborner Pfarrei St. Georg führte. Die Bekämpfung der Befreiungstheologie der katholischen Kirche in Lateinamerika durch den Vatikan und die Sanktionen gegen ihren promi- nentesten Vertreter, Leonardo...

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