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Hoffen und zweifeln an der Kirche

Religiöse Reflektionen eines Nicht-Theologen

Friedhelm Zubke

Lebens- und Glaubenserfahrungen in der Welt des 21. Jahrhunderts können viele Menschen nicht mehr mit den historisch überkommenen Ritualen der Kirche in Einklang bringen. Die Unzufriedenen lassen sich nicht mehr durch Beschwichtigung zum Schweigen bringen, seitdem die Zeitschrift Publik-Forum, die NDR-Sendung Glaubenssachen und bekannte Buchautoren ein Forum zum Austausch bieten. Eine Amtskirche, die ängstlich ihren Bestand verteidigt, reagiert zögerlich, mithin findet das Unbehagen des Kirchenvolkes nur äußerst verhalten Gehör. Auf diese Situation reagiert der Autor mit einer Alternative, die er in zehn Kapiteln zur Diskussion stellt – insbesondere denen, die in einer Balance von Kontinuität und Wandel das Überkommene mit der Erfahrungswelt des 21. Jahrhunderts zu verbinden suchen.

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1. Religion ohne Dogma – Lessings uneingelöste Forderung 19

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19 1. Religion ohne Dogma – Lessings uneingelöste Forderung Zu allen Zeiten hat es in der Geschichte des Christentums Stimmen gege- ben, die dafür eintraten, sich auf das Wesentliche zu besinnen. Antworten auf die Frage „Was ist das Wesentliche, was macht das Wesen des Christen- tums aus?“ fallen sehr unterschiedlich aus. Aus Luthers Forderung nach Reformierung der Institution Kirche ergibt sich die Verpflichtung, immer wieder zu überprüfen, ob praktizierte Formen noch mit den Erfahrungen der Menschen in Einklang zu bringen sind oder ob sie zu musealen Relik- ten erstarren. Bemühungen, überkommene Rituale und Formen zu erneu- ern oder zu verändern, wenn Menschen sich in ihnen nicht mehr wieder- finden, werden vorgeworfen, der Beliebigkeit Tür und Tor zu öffnen, das Vertraute, das traditionell Denkenden Sicherheit gibt, zu zerstören. Ängst- liches Festhalten am Überkommenen kann zu einer sinnentleerten Routine erstarren, die aus Gewohnheit ausgeübt wird. Mut zu alternativen Formen führt dagegen zu neuen Einsichten und Erkenntnissen, weil Vertrautes in einem anderen Licht erscheint, weil Bisher-nicht-Wahrgenommenes in den Blick gerät. Aus Gotthold Ephraim Lessings „Nathan der Weise“, der eindrück- lichsten Dichtung der Aufklärung, ist die Einsicht zu gewinnen, dass eine einmal als unabdingbar gegoltene Forderung immer noch auf ihre konse- quente Umsetzung wartet und spätere Epochen sich der Gefahr aussetzen, in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurückzufallen. Die Aufklärung, der Les- sing sich verpflichtet fühlte, trat an mit der Forderung nach Aufhebung überflüssiger Herrschaft durch den Obrigkeitsstaat...

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