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Bildung als Aufgabe

Zur Neuvermessung der Pädagogik

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Edited By Thomas Mikhail

Die Pädagogik als Wissenschaft steht heute vor neuen Herausforderungen. In der Zeit nach PISA wird die Vorstellung, es genüge, die Bildungslandschaft zu vermessen, zunehmend als Verfremdung ihrer eigentlichen Aufgabe erkannt. Die Frage nach dem Maß, von dem her bzw. auf das hin Messungen legitimiert und orientiert werden können, rückt wieder in das Blickfeld der Forschung. Die empirische Erziehungswissenschaft vermag dieses Maß nicht zu besorgen. Gefordert ist das, was man bildungsphilosophische Reflexion im weitesten Sinne nennen muss. Ihre Aufgabe wird es sein, über die Voraussetzungen und Grundlagen, Begriffe und Normen pädagogischen Handelns nachzudenken. Vor diesem Hintergrund will der Band zur Besinnung auf pädagogische (Grund-)Fragen beitragen.

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Volker Ladenthin/Hildegard Krämer - Die Einheit der Bildung 67

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67 Volker Ladenthin/Hildegard Krämer Die Einheit der Bildung „Der Mensch ein Kosmos im Kleinen.“ (Capelle 1968, 392ff) Mit dieser überliefer- ten Äußerung Demokrits ist ein pädagogisches Verständnis, das den Menschen als Einheit und diesen wiederum als Teil eines einheitlichen Kosmos sieht, auf eine kurze Formel gebracht. Der Mensch ist Teil des Kosmos’, und wenn er sich diesen Kosmos angemessen aneignet, wird er selbst zum Kosmos – zum Ganzen. Die Einheit des Kosmos ist in der Vielfalt des Wissens im Bildungsgang des Menschen zu erkennen und anzuerkennen. Bildung zielt nicht auf den Erwerb einzelner Qua- lifikationen, sondern auf die Gestaltung des Kosmos, des Ganzen. Lässt sich eine solche „Einheit“ von Bildung und durch Bildung heute noch gewinnen? Lässt sie sich durch die verschiedenen Schulfächer hindurch begründen und bewahren? Vorneuzeitliche Begründungen des Fachprinzips Die bei Demokrit mythologisch begründete Theorie erfährt in der Folge, z. B. durch Aristoteles, ihre rationale Ausformulierung. Aristoteles deutet die Natur als einen entelechischen Prozess und die Welt als eine zweckmäßig geordnete. Lernen besteht dann darin, diese dem Erkennen vorausliegende Ordnung einzusehen und anzuerkennen, denn auch der Mensch ist Teil der geordneten, auf ein Ziel hinstre- benden Natur. Das höchste Gut der Welt und des Lebens und zugleich das höchste Strebensziel des Menschen ist Glückseligkeit, die sich für Aristoteles in der „Polis“ verwirklichen lässt. Glückseligkeit ist damit das Ziel der Bildung. Das Telos der Glückseligkeit in der Polis wird auf durchaus...

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