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Der deutsche Lektürekanon an höheren Schulen Westfalens von 1871 bis 1918

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Hermann Korte, Ilonka Zimmer and Hans-Joachim Jakob

Was haben Gymnasiasten im Deutschunterricht höherer Schulen Westfalens zwischen 1871 und 1918 gelesen? Dieses Buch will auf der Basis der systematischen Auswertung einer Vielzahl von schulischen Jahresberichten Antwort auf diese Frage geben. Die hier dokumentierten Ergebnisse sind Teil eines von der DFG geförderten Forschungsprojekts, das zwischen 2004 und 2010 an der Universität Siegen durchgeführt wurde. Im Dokumentationsteil werden die in den Jahresberichten aller westfälischer Gymnasien enthaltenen Informationen zum Lesestoff der Klassenstufen für neun Stichjahre präsentiert. Der vorangehende Analyseteil umfasst eine systematische Interpretation der empirisch ermittelten Daten, eine Untersuchung der Fest- und Schulfeierkultur, eine ausführliche Beschreibung der Quellenlage und abschließend einen Ausblick auf den Schulkanon der 1920er und 1930er Jahre.

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Ilonka Zimmer - „Warum und wie haben wir Klopstock zu feiern?“ Gymnasiale Feierkultur und Kanonpflege 123

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Ilonka Zimmer „Warum und wie haben wir Klopstock zu feiern?“ Gymnasiale Feierkultur und Kanonpflege Das titelgebende Zitat für diesen Beitrag, das im Schuljahr 1879 / 80 als Klausuraufsatzthema für die Schüler der Gymnasialprima des Gymna‑ siums in Bielefeld gestellt wurde,1 zielt in erinnerungsrhetorischem Gestus auf die Vergegenwärtigung der Bedeutung des Dichters Klopstock just zu einem Zeitpunkt, als dessen gesicherter Rang im gymnasialen Lektüreka‑ non sich zu verschieben begonnen hatte.2 Aus damaliger Schülerperspekti‑ ve war die Frage nach dem „Warum“ angesichts der bis in die 1870er Jah‑ re unangefochtenen Position Klopstocks als „dritter Klassiker“ neben Schil‑ ler und Goethe und seiner Bedeutung als feste literarhistorische Größe im Kernkanon vermutlich schnell als rhetorische zu erkennen und zu beantworten. Der zweite Frageteil nach dem „Wie“, dem Modus des „Feierns“, konnte in den 1880er Jahren vermutlich nicht mehr nur im Sinne des bekannten Epigramms von Lessing als „loben“ und als Auf‑ forderung zur Lektüre verstanden, sondern auch auf durchaus konkrete Feierrituale im Schulleben bezogen werden. Klopstock war als Epiker und Odendichter nicht nur fest im Lektürepensum des Unterrichts, im lite‑ rarhistorischen Unterricht und in Aufsatzthemen für die oberen Klassen verankert, sondern auch in den anlässlich der Schulfeiern veranstalte‑ 1 Vgl. den Jahresbericht des Gymnasiums Bielefeld von 1880; im Folgenden werden die Jahresberichte resp. Schulprogramme jeweils mit der Abkürzung SP zitiert. 2 Vgl. den entsprechenden Abschnitt zu Klopstock im Beitrag von Hermann Korte im vorliegenden Band („Ein Klassiker mit langer Resonanzdauer: Klopstock...

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