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Die literarische Rezeption des Cato Uticensis

In Ausschnitten von der Antike bis zur Neuzeit

Stephan Gäth

Der Blick auf Cato war nach seinem Tod und in der Antike zum größten Teil positiv geprägt. Die romantische Vorstellung vom freiheitsliebenden Widerstandskämpfer, der für seine Ideale eher in den Tod ging als zur ausgestreckten Hand Caesars, wurde erst mit dem christlichen Mittelalter relativiert, erlebte mit der letzten Hälfte der Frühen Neuzeit eine eigene Renaissance und sollte erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wieder kritischer betrachtet werden. Mit seinem Selbstmord trat Cato aus dem Schatten der großen Männer und stand für einen kurzen Moment über den um ihn herum zu Scherben zerbrechenden Dingen. Dieser Tod festigte seinen Symbolcharakter und der tragische Held verkörperte nicht nur das Freiheitsideal aller Anhänger der Republik, sondern auch das der folgenden Generationen.

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3 Die Philosophen: Seneca 52

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52 3 Die Philosophen: Seneca 3.1 Senecas otium und das daraus resultierende Catobild Seneca hatte sich wohl im Herbst 62141 aus dem politischen Leben zurückgezo- gen. Seine politische Präsenz war nicht mehr in dem Maße vorhanden, wie er es einst gekannt hatte und die psychische Gesundheit Neros für alle Hofmitarbeiter zu einem Risiko geworden142. Die Hoffnung auf einen weisen Herrscher als Vorbild für seine Untertanen und Inbegriff eines gerechten Monarchen war zu- nichte gemacht. Aber gerade Cato als erklärter Feind eines solchen Systems lie- ferte die Beispielhaftigkeit für eben dieses Verhalten. Wohlgemerkt nur des Verhaltens - denn letztlich fehlten seinem Handeln die politischen Konsequen- zen, die Catos Vorbildcharakter zu mehr als nur moralischer Natur verholfen hätten143. Dieser Tatsache bedient sich Seneca, um in seiner Rechtfertigungs- schrift „Über die Muße“ indirekt darauf hinzuweisen, dass er dem Staat in der Sicherheit der Zurückgezogenheit sehr viel mehr helfen könne, als mit nutzlo- sem politischem Geplänkel. Er tröstet sich und seine Umwelt mit der Erklärung, dass der Weise in der unpolitischen Zurückgezogenheit am produktivsten und nützlichsten sei (de otio VI 4-5, vgl. auch ep. 73). Die Zeiten und insbesondere die Natur aller Staaten, nicht nur Roms, würden die Muße für den Weisen zwin- gend notwendig machen, denn nur mit ihr könne er der Welt den größten Nutzen bringen (de otio VIII 1-3). In de providentia II 10 erwähnt Seneca dann auch das...

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