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Die literarische Rezeption des Cato Uticensis

In Ausschnitten von der Antike bis zur Neuzeit

Stephan Gäth

Der Blick auf Cato war nach seinem Tod und in der Antike zum größten Teil positiv geprägt. Die romantische Vorstellung vom freiheitsliebenden Widerstandskämpfer, der für seine Ideale eher in den Tod ging als zur ausgestreckten Hand Caesars, wurde erst mit dem christlichen Mittelalter relativiert, erlebte mit der letzten Hälfte der Frühen Neuzeit eine eigene Renaissance und sollte erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wieder kritischer betrachtet werden. Mit seinem Selbstmord trat Cato aus dem Schatten der großen Männer und stand für einen kurzen Moment über den um ihn herum zu Scherben zerbrechenden Dingen. Dieser Tod festigte seinen Symbolcharakter und der tragische Held verkörperte nicht nur das Freiheitsideal aller Anhänger der Republik, sondern auch das der folgenden Generationen.

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6 Die Kirchenväter 95

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95 6 Die Kirchenväter 6.1 Laktanz Die Ausbreitung des Christentums konnte nur mit einer gleichzeitigen Zurück- drängung antiker Wert- und Weltvorstellungen vonstattengehen. Spätestens nach Plünderung Roms 410 durch die Goten war das militärische Fundament der Ewigen Stadt zu sehr erschüttert, als dass man ihren Helden hätte nachtrauern können. Viel schwieriger jedoch war der religiöse Faktor: die Götter Roms hat- ten seinen Untergang nicht verhindert. Pagane Schuldzuweisungen an das Chris- tentum trafen ihrerseits auf fähige Schreiber, die sich für ihren Glauben enga- giert und erfolgreich zur Wehr setzten. Bei der großen Übertragung von klassi- scher Kultur in das neue, christliche Zeitalter wurden alle störenden Elemente theologisch und literarisch bekämpft. Die Vorliebe der Römer für heldenhafte Beispiele von virtus, insbesondere also das exemplum des Selbstmörders Cato, musste bereits im Ansatz verurteilt werden. Goar (S. 78) verweist nicht nur auf die zwei Cato-Stellen in Tertullians Apologeticus (XI 15-16 und XXXIX 12-13 [vgl. Busch 1911, S. 68f.], in denen [wie bei Ad Martyres] der Selbstmord Catos nicht erwähnt wird), wenn er ein Merkmal der Schriften frühchristlicher Denker in diesem Bezug erfasst: „And yet they could not, of course, reject everything - e.g., many of the Classical exempla of courage, wisdom, justice, and so on, were valid for them, too. This divided attitude explains why we not infrequently find both favorable and unfavorable mention of the same exemplar in a single trea- tise.”266...

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