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Die literarische Rezeption des Cato Uticensis

In Ausschnitten von der Antike bis zur Neuzeit

Stephan Gäth

Der Blick auf Cato war nach seinem Tod und in der Antike zum größten Teil positiv geprägt. Die romantische Vorstellung vom freiheitsliebenden Widerstandskämpfer, der für seine Ideale eher in den Tod ging als zur ausgestreckten Hand Caesars, wurde erst mit dem christlichen Mittelalter relativiert, erlebte mit der letzten Hälfte der Frühen Neuzeit eine eigene Renaissance und sollte erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wieder kritischer betrachtet werden. Mit seinem Selbstmord trat Cato aus dem Schatten der großen Männer und stand für einen kurzen Moment über den um ihn herum zu Scherben zerbrechenden Dingen. Dieser Tod festigte seinen Symbolcharakter und der tragische Held verkörperte nicht nur das Freiheitsideal aller Anhänger der Republik, sondern auch das der folgenden Generationen.

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7 Der Prosaiker: Dante Alighieri 106

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106 7 Der Prosaiker: Dante Alighieri 7.1 Dantes Inspirationen Neben seinem Jugendwerk, der Vita Nuova, sind es besonders drei Werke Dan- tes, die den Italiener zu einem der bekanntesten Dichter des Mittelalters machen. E. Gilson hat ihre jeweiligen Kernaussagen in unübertrefflicher Kürze zusam- mengefasst: das für Laien geschriebene Convivio sei der „philosophie éthique“ gewidmet, dem „bonheur temporel de l’individu“, die Monarchia hingegen nehme sich der „justice“ und des „bonheur temporal de l’humanité“ an. Sein Hauptwerk, die Commedia, habe als Kern schließlich den „salut éternel de l’humanité par l’église“294. In allen dreien spielt Cato Uticensis eine Rolle - die hervorragendste und am kontroversesten diskutierte in der „Göttlichen Komö- die“, dem letzten und größten von Dantes Werken. Wo die Wertschätzung des so christlichen Schriftstellers für den heidnischen Selbstmörder herrührt, ist eine oft beantwortete Frage, denn die möglichen Tex- te, die Dante nachweislich gekannt hat, bestechen durch ihre Vielfalt (vgl. Para- tore, S. 25ff.). Aber nur einen antiken Autoren als Quelle der Inspiration festma- chen zu wollen, wäre angesichts der Fülle des alighierischen Wissensspektrums zu eng gefasst. Beliebtes Beispiel war und ist die Glorifizierung Catos in Lucans Pharsalia. Der große Zusammenhang zwischen Lucan- und Dantestellen ist un- verkennbar und soll im Folgenden anhand der einzelnen Textabschnitte erläutert werden295. Auch auf die oben genannte Hervorhebung Catos bei Vergil wird später näher eingegangen. Höchstwahrscheinlich muss Dante, wie die meisten seiner gebildeten Zeitgenossen, im Laufe...

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