Show Less

Die literarische Rezeption des Cato Uticensis

In Ausschnitten von der Antike bis zur Neuzeit

Stephan Gäth

Der Blick auf Cato war nach seinem Tod und in der Antike zum größten Teil positiv geprägt. Die romantische Vorstellung vom freiheitsliebenden Widerstandskämpfer, der für seine Ideale eher in den Tod ging als zur ausgestreckten Hand Caesars, wurde erst mit dem christlichen Mittelalter relativiert, erlebte mit der letzten Hälfte der Frühen Neuzeit eine eigene Renaissance und sollte erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wieder kritischer betrachtet werden. Mit seinem Selbstmord trat Cato aus dem Schatten der großen Männer und stand für einen kurzen Moment über den um ihn herum zu Scherben zerbrechenden Dingen. Dieser Tod festigte seinen Symbolcharakter und der tragische Held verkörperte nicht nur das Freiheitsideal aller Anhänger der Republik, sondern auch das der folgenden Generationen.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

8 Die Didaktiker in den Disticha Catonis 119

Extract

119 8 Die Didaktiker in den Disticha Catonis 8.1 Eigenschaften Die Sammlung der „Disticha Catonis“, ein fiktives Lehrgespräch zwischen Va- ter und Sohn, ist das „beliebteste Werk“ moralisch-didaktischer Literatur des Mittelalters (Cramer, S. 108). Der lateinische „Cato“ ist in vier Bücher zu 40, 31, 24 und 49 Disticha unterteilt, wobei dem ersten Buch eine prosaische Vorre- de und den folgenden jeweils kurze, hexametrische Prologe beigefügt wurden, deren Echtheit angezweifelt wird327. Der dem ersten Buch vorangestellte Brief umfasst die Anrede des Sohnes und mehrere kurze, prägnant formulierte Maxi- men, die sogenannten breves sententiae328. Sie gliedern sich in religiöse („Deo supplica“ [1]), pathetische („pugna pro patria“ [23]), moralische („virtute ute- re“ [35]) und sittliche („Coniugem ama“ [20] / „vino tempera“ [22]) Ratschläge oder formulieren Alltagsweisheiten („maiori concede“ [10] / „minorem non con- tempseris“ [47]), die mehr und minder richtig und falsch auf Cato Uticensis wie auf jeden anderen übertragbar sind. Solch einfache Denk- und Belehrungsmuster konnte jedermann nachvollziehen und sich mit ihnen identifizieren. Die Disticha Catonis wurden bis ins 18. Jahrhundert hinein mannigfach verlegt, gelesen und besonders in der Schule für Unterweisungen auf dem Gebiet der Grammatik, Moral und Poesie herangezogen. Didaktische Erbauungsbücher er- freuten sich im Mittelalter höchster Beliebtheit, besonders Rupert von Deutz’ De meditatione mortis und Thomas von Kempens Imitatio Christi gehören neben der Bibel noch zu den am weitesten verbreiteten Büchern des Abendlandes. Memento mori- und Contemptus mundi-Gedichte prangerten weltlichen Mam- mon an und boten in Zeiten geistlicher...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.