Show Less

Die Philosophie und die UNESCO

Mit einem Nachwort von Jacques Poulain- Im Auftrag der Deutschen UNESCO-Kommission aus dem Französischen übersetzt von Hans Jörg Sandkühler

Series:

Patrice Vermeren

«Es gibt keine UNESCO ohne Philosophie» – so die programmatische Erklärung dieser 1945 mit dem Ziel dauerhaften Friedens entstandenen Weltorganisation. Ohne sich auf eine bestimmte Philosophie festzulegen, versteht sie sich als eine ‘philosophische Institution’: Sie will ihren Beitrag leisten durch Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Völkern in Bildung, Wissenschaft und Kultur, um in der ganzen Welt die Achtung vor Recht und Gerechtigkeit, vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten zu stärken. Es handelt sich um eine Zielsetzung, die mit Mitteln, die selbst philosophischer Natur sind, zur praktischen Anwendung einer Philosophie des Rechts, der Menschenrechte und der Universalgeschichte verpflichtet. In dieser Perspektive hat der Autor eine Geschichte der intellektuellen und institutionellen Beziehungen zwischen der UNESCO und der Philosophie seit 1945 verfasst.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

II

Extract

Sartre vor der Generalkonferenz der UNESCO Wie sollte man unter den Bedingungen der Gegenwart die Nachkriegszeit denken? Um auf diese Frage eine Antwort zu finden, fasste die General- konferenz der UNESCO den Entschluss, Treffen besonders engagierter Philosophen, Schriftsteller und Wissenschaftler einzuberufen. Im Rah- men des Monats der UNESCO wurden unter dem Vorsitz des englischen Dichters Stephen Spender, eines Experten der Sektion Bildende Künste, und Michel Montagniers, eines der wichtigsten Berater der UNESCO, siebenundzwanzig Vorträge im Louis Liard-Saal der Sorbonne und im Palais de la Découverte organisiert. Nach den Vorträgen von Emmanuel Mounier, Pierre Bertaux, A.J. Ayer und J.-P. Sartre, die ihre Haltung zu bestimmten Problemen erläuterten, deren sich die Intellektuellen aktuell anzunehmen hätten, bezog sich das Vorhaben direkter auf die für die UNESCO einschlägigen Bereiche, und zwar zunächst auf die Kultur, wo- bei insbesondere auf die – die UNESCO vorrangig interessierende – wechselseitige Durchdringung der Kulturen abgehoben wurde (A. Mal- raux, L. Aragon, S. Radakrishnan, L. Massignon, Jean Cassou, H. Read, M. Skipis). Ferner ging es um die Wissenschaft (F. Joliot-Curie, P. Pet- terssen, J. Needham, O. de Almeida, M. Caperson, Abbé Breuil, A.H. Compton) und schließlich um Erziehung und Bildung (H. Wilson, M. Bowra, W.G. Carr, Yuen Ren Chao; Anna Freud, die eine Klinik für die Rehabilitation vom Krieg traumatisierter Kinder leitete, wurde auch er- wartet, war aber im letzten Augenblick verhindert). Julian Huxley fasste das allgemeine Ziel der UNESCO in seinem Vortrag «Les conditions du progrès» (Die Bedingungen...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.