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Die Philosophie und die UNESCO

Mit einem Nachwort von Jacques Poulain- Im Auftrag der Deutschen UNESCO-Kommission aus dem Französischen übersetzt von Hans Jörg Sandkühler

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Patrice Vermeren

«Es gibt keine UNESCO ohne Philosophie» – so die programmatische Erklärung dieser 1945 mit dem Ziel dauerhaften Friedens entstandenen Weltorganisation. Ohne sich auf eine bestimmte Philosophie festzulegen, versteht sie sich als eine ‘philosophische Institution’: Sie will ihren Beitrag leisten durch Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Völkern in Bildung, Wissenschaft und Kultur, um in der ganzen Welt die Achtung vor Recht und Gerechtigkeit, vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten zu stärken. Es handelt sich um eine Zielsetzung, die mit Mitteln, die selbst philosophischer Natur sind, zur praktischen Anwendung einer Philosophie des Rechts, der Menschenrechte und der Universalgeschichte verpflichtet. In dieser Perspektive hat der Autor eine Geschichte der intellektuellen und institutionellen Beziehungen zwischen der UNESCO und der Philosophie seit 1945 verfasst.

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Die Zeitschrift Diogène, geistiger Kompass und Querschnitt der Geisteswissenschaften Als Roger Caillois – ein 34jähriger Schriftsteller, Absolvent der Ecole Normale Supérieure mit einer Lehramtsbefähigung für Grammatik – Mit- arbeiter der UNESCO wurde, hatte er bereits Bekanntschaft mit dem Sur- realismus gemacht und mit Bataille und Leiris das Collège de sociologie ins Leben gerufen. Er hatte sich gezwungenermaßen in Argentinien auf- gehalten, wo ihn der Zweite Weltkrieg überrascht hatte. Auch die latein- amerikanische Literatur hatte ihre Wirkung auf ihn ausgeübt. Von Argentinien zur UNESCO In Buenos Aires arbeitete er mit der von seiner Freundin Victoria Ocam- po geleiteten Zeitschrift SUR zusammen und gründete die Lettres fran- çaises; deren Korrespondenten waren alle Mitstreiter des ‹Freien Frank- reich›: Jacques Maritain, Georges Bernanos, Aldous Huxley, Raymond Aron und Jules Supervielle25; bei seiner Heimkehr träumte er davon, beim Verlag Gallimard eine ibero-amerikanische Buchreihe herauszuge- ben, die dann unter dem Titel La Croix du Sud (Das Kreuz des Südens) berühmt werden sollte. Sicherlich dank Jean Thomas, eines Absolventen der Ecole Normale Supérieure und Widerstandskämpfers und nun Direk- tors der UNESCO-Abteilung für kulturelle Angelegenheiten26, aber auch dank seiner Beziehungen zu Victoria Ocampo und zum Minister Georges Bidault, wurde er im Juli 1948 im Bureau des idées der UNESCO ange- stellt; es gehörte zu deren damaliger Projekt-Abteilung und residierte in den Räumen des Hotel Majestic. Hier traf er Philippe Soupault wieder, einen surrealistischen Dichter. Seine Aufgabe bestand zunächst darin, an der...

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