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Die Philosophie und die UNESCO

Mit einem Nachwort von Jacques Poulain- Im Auftrag der Deutschen UNESCO-Kommission aus dem Französischen übersetzt von Hans Jörg Sandkühler

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Patrice Vermeren

«Es gibt keine UNESCO ohne Philosophie» – so die programmatische Erklärung dieser 1945 mit dem Ziel dauerhaften Friedens entstandenen Weltorganisation. Ohne sich auf eine bestimmte Philosophie festzulegen, versteht sie sich als eine ‘philosophische Institution’: Sie will ihren Beitrag leisten durch Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Völkern in Bildung, Wissenschaft und Kultur, um in der ganzen Welt die Achtung vor Recht und Gerechtigkeit, vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten zu stärken. Es handelt sich um eine Zielsetzung, die mit Mitteln, die selbst philosophischer Natur sind, zur praktischen Anwendung einer Philosophie des Rechts, der Menschenrechte und der Universalgeschichte verpflichtet. In dieser Perspektive hat der Autor eine Geschichte der intellektuellen und institutionellen Beziehungen zwischen der UNESCO und der Philosophie seit 1945 verfasst.

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VII

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Die UNESCO in der Tradition von Aristoteles, Immanuel Kant und Jacques Derrida Das folgende Jahrzent erlebte die Fortsetzung der Tätigkeit der Philoso- phie-Abteilung der UNESCO, an deren Spitze sich Marie-Pierre Hartog (Marie-Pierre de Cossé Brissac), René Habachi und Mohamed Allal Sina- ceur ablösten. Die neue Philosophengeneration ging auf Distanz zu den Subjektphilosophien; sie fand ihre Bezugspunkte eher in den Philoso- phien der Struktur, der Sprache und des Begriffs, d.h. der Dekonstrukti- on. «Die Weisheit wohnt im Herzen der Menschen. Dort muss der Frieden keimen. Dies ist die Idee der UNESCO» Anlässlich eines Vortrags beim XIV. Internationalen Philosophiekon- gress in Wien versuchte im Januar 1968 der Philosoph Alberto Wagner de Reyna als ständiger Vertreter Perus bei der UNESCO, diese (oder ge- nauer: das Bild, das René Maheu von ihr hatte47) im Lichte des Aristote- les48 zu überdenken und aufzuzeigen, dass dieser – seiner Zeit voraus – beständig auf so etwas wie die UNESCO angespielt habe: In völliger Übereinstimmung mit Aristoteles sehe die UNESCO den äußeren aus dem inneren ethischen Frieden entstehen; sie wolle den Frieden durch Ausübung ethischer und intellektueller Tugenden erreichen, und diese seien die Waffen ihres ‹kriegerischen› Unternehmens der friedlichen Ver- wirklichung des Friedens. Ferner bedeute «der Universalismus der UNESCO» – also der ‹Standpunkt des menschlichen Universellen› – kei- ne kulturelle Nivellierung, sondern gerade das Gegenteil, d.h. insofern die Bewahrung der verschiedenen Kulturen in ihrer Ursprünglichkeit, als sie als das gemeinsame Erbe der Menschheit verstanden würden. Hierher 47 Vgl. René Maheu: La civilisation...

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