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Plädoyer für das Leben

Philosophisch und theologisch

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Manfred Balkenohl

Der Wert des menschlichen Lebens und seine Unantastbarkeit gründen auf dem einzigartigen Rang der menschlichen Person, der im Begriff der Menschwürde an der Spitze unserer Verfassung sowohl Bekenntnis als auch rechtliche Markierung darstellt. Auch die Kirche erklärt die unbedingte Achtung vor dem Lebensrecht des Menschen – von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen Tod – zu einer der Säulen, auf die sich jede bürgerliche Gesellschaft stützt (EV 101). Derzeit erleben wir eine «frontale Bedrohung der gesamten Kultur der Menschenrechte» (EV 36). Daher geht es heute darum, der «Kultur des Todes» zu widerstehen und eine «neue Kultur des Lebens» aufzubauen. Diese Inhalte wurden als Vorträge im Rahmen der wissenschaftlichen Forschung ICT an der Johannes-Paul-II.-Katholischen-Universität Lublin in Tomaszów Lubelski (Polen) gehalten.

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Ist der Kranke ein Parasit der Gesellschaft? 59

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59 Ist der Kranke ein Parasit der Gesellschaft? Nietzsche beginnt seine „Moral für Ärzte“ mit den Worten: „Der Kranke ist ein Parasit der Gesellschaft. In einem gewissen Zustande ist es unan- ständig, noch länger zu leben.“ Nun ist diese Mitteilung im ausgehenden 19. Jahrhundert nichts Au- ßergewöhnliches. Das Thema Euthanasie und das, was derzeit „assistierte Selbsttötung“ genannt wird, war damals in der Vorstellung schon ge- genwärtig. Manchmal glaubt man heute, in diese Zeit zurückversetzt zu sein. Aber es gibt doch wesentliche Unterschiede zu früher. Wenngleich Nietzsche mit solchen Mitteilungen eine damals schon um sich greifende Ideologie beförderte, so gab es doch den geschlossenen Widerstand des ärztlichen Standes, der Kirchen sowie der Gesamtgesellschaft. In der Ärzteschaft besann man sich auf den „Eid des Hippokrates“, in dem es heißt: „Nie werde ich jemandem, auch auf Verlangen nicht, ein tödlich wirkendes Gift geben und auch keinen Rat dazu erteilen; gleich- erweise werde ich keiner Frau ein fruchtabtreibendes Mittel geben: heilig und fromm werde ich mein Leben bewahren und meine Kunst.“ Nietz- sche dagegen verlangt in seiner „Moral“ das „rücksichtsloseste Nieder- und Beiseite-Drängen des entartenden Lebens“. Der Arzt des 19. Jahrhunderts jedoch bildete –Ausnahmen gab es – eine klare Absage gegen jeglichen Missbrauch seiner Person und wusste sich dem Schutze des Lebens verpflichtet. Die Kirche stand und steht ebenfalls kompromisslos auf Seiten des Lebensrechtes und des -schutzes. Gerade in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden zahlreiche Krankenhäuser errichtet, selbst...

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