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Plädoyer für das Leben

Philosophisch und theologisch

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Manfred Balkenohl

Der Wert des menschlichen Lebens und seine Unantastbarkeit gründen auf dem einzigartigen Rang der menschlichen Person, der im Begriff der Menschwürde an der Spitze unserer Verfassung sowohl Bekenntnis als auch rechtliche Markierung darstellt. Auch die Kirche erklärt die unbedingte Achtung vor dem Lebensrecht des Menschen – von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen Tod – zu einer der Säulen, auf die sich jede bürgerliche Gesellschaft stützt (EV 101). Derzeit erleben wir eine «frontale Bedrohung der gesamten Kultur der Menschenrechte» (EV 36). Daher geht es heute darum, der «Kultur des Todes» zu widerstehen und eine «neue Kultur des Lebens» aufzubauen. Diese Inhalte wurden als Vorträge im Rahmen der wissenschaftlichen Forschung ICT an der Johannes-Paul-II.-Katholischen-Universität Lublin in Tomaszów Lubelski (Polen) gehalten.

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Der Hirntod – Zur Problematik einer neuen Todesdefinition.Phänomene, Ursprünge, Finalitäten 73

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73 Der Hirntod – Zur Problematik einer neuen Todesdefinition Phänomene, Ursprünge, Finalitäten In der Diskussion um das Hirntodkonzept und der damit verbundenen Entnahme lebenswichtiger Organe für die Transplantation sind seit dem letzten Jahrzehnt zwei gegenläufige Lemmata zu beobachten. Zum einen wird auch wegen der immensen finanziellen Bereitstellungen weiterhin und z. T. sogar verstärkt transplantiert. Zum anderen wächst, auch und gerade interdisziplinär, mit zunehmender Deutlichkeit die Erkenntnis, dass eine neue, biotechnisch inspirierte Qualität der medizinischen Defi- nitions- und Deutungsmacht den Menschen in seinen grundlegenden Lebensfunktionen geradezu verkennt.1 In diesem Dilemma befinden wir uns, wenn wir das Hirntodkonzept mit Blick auf die das Leben kennzeichnenden Merkmale betrachten. Wie kam es zu der Definition Hirntod? Von der Öffentlichkeit lange Zeit unbemerkt, war in der Medizin eine neue Todesdefinition hinzugekommen. Nicht mehr allein der irreversib- le Stillstand der Herz- und Atmungstätigkeit, sondern ebenfalls eine „schwere Hirnschädigung“ bei aufrecht erhaltener Funktion des Herzens und der Atmung wurde unter bestimmten Bedingungen als Tod des Menschen deklariert. Die sogenannte Hirntod-Definition ist neueren Datums. Einer der ersten, der sich aus anthropologischer und ethischer Perspektive mit der Problematik dieses Begriffes befasst hat, war Hans Jonas. Er bezieht sich zunächst auf einen Bericht über die Definition des Hirntodes, den im August 1968 eine hierzu eingesetzte Kommission der Harvard Medical School veröffentlicht hatte. Das Harvard-Gutachten „definierte irreversibles Koma als Gehirntod, wenn folgende diagnosti- Manfred Balkenohl ________________________________________________ 74 schen Merkmale vorliegen: 1. Abwesenheit jeder feststellbaren Gehirntä- tigkeit (flaches Elektroenzephalogramm) und...

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