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Plädoyer für das Leben

Philosophisch und theologisch

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Manfred Balkenohl

Der Wert des menschlichen Lebens und seine Unantastbarkeit gründen auf dem einzigartigen Rang der menschlichen Person, der im Begriff der Menschwürde an der Spitze unserer Verfassung sowohl Bekenntnis als auch rechtliche Markierung darstellt. Auch die Kirche erklärt die unbedingte Achtung vor dem Lebensrecht des Menschen – von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen Tod – zu einer der Säulen, auf die sich jede bürgerliche Gesellschaft stützt (EV 101). Derzeit erleben wir eine «frontale Bedrohung der gesamten Kultur der Menschenrechte» (EV 36). Daher geht es heute darum, der «Kultur des Todes» zu widerstehen und eine «neue Kultur des Lebens» aufzubauen. Diese Inhalte wurden als Vorträge im Rahmen der wissenschaftlichen Forschung ICT an der Johannes-Paul-II.-Katholischen-Universität Lublin in Tomaszów Lubelski (Polen) gehalten.

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Der Eid des Hippokrates 107

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107 Der Eid des Hippokrates Bis wohin eigentlich dürfen Macht und Herrschaft des Menschen über den Menschen und gegen den Menschen auf medizinisch-biologischem Sektor vordringen und sich immer weiter durchsetzen? Ist die medizini- sche Wissenschaft dazu da, gemäß dem hippokratischen Eid und der christlichen Auffassung Krankheiten zu heilen, oder auch dazu, den Menschen gezielt zu töten oder seinen Tod zu veranlassen? Hippokrates, griechischer Arzt (440-377 v. Chr.), auch „Vater der Heilkunde“ genannt, fasste bereits die ethischen Pflichten des Arztes zusammen, nämlich zu heilen, das Leben zu schützen und niemals zu zerstören. In dem berühmt gewordenen „Eid des Hippokrates“ treten Kategorien zutage, die erstaunlich modern anmuten und inmitten der heute geführten Diskussion um Abtreibung, Euthanasie und assistierter Selbsttötung angesiedelt sind. Der „Eid des Hippokrates“ inspirierte in einer Welt, die von weit verbreiteter Tötungspraxis gekennzeichnet war, eine Berufsethik und darüber hinaus eine allgemeine Ethik, die auf den objektiven Werten des Menschen und auf dem absoluten Respekt vor dem Leben und vor der Person fußt, den Menschen insbesondere vor jeglichem Interesse und vor seinen eigenen Tötungswünschen bzw. - forderungen in schwerer Krankheit schützt. Der Eid, den Hippokrates seine Schüler schwören ließ, stand wohl nicht repräsentativ für die Anti- ke, machte aber deutlich, dass sich ethische Instanzen Gehör verschaffen und sich schließlich durchsetzen konnten. So wirkte der Eid über das Altertum hinaus und prägte unsere mittelalterliche Kultur bis in die Neuzeit und ist...

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