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Von der Freizeitplanung zur Kulturpolitik

Eine Bilanzierung von Gewinnen und Verlusten

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Dieter Kramer

Alle Parteien versprachen in den 1960er Jahren großzügige Programme zur Freizeitplanung. Die Freizeitpädagogik wollte die Menschen vorbereiten auf die Freizeitgesellschaft, in der die Arbeit beiläufig erledigt wird und freie Zeit dominiert. Dann aber zehren Krisen, Konsumwettbewerb, Globalisierung und Arbeitslosigkeit die Produktivitätsgewinne auf. Freizeitpolitik verschwindet, die für alle nutzbare Infrastruktur für Freizeit und Erholung wird zugunsten einer Kulturpolitik für die alten und neuen Bildungsschichten vernachlässigt. Verloren sind die demokratischen Dimensionen der Freizeitpolitik. Der allzu kontur- und inhaltlose Freizeitbegriff kann nicht wieder belebt werden. Interessanter ist daher die Beschäftigung mit einer neuen sozialkulturellen Strukturpolitik, bei der die Kulturpolitik sich als Teil einer demokratischen Gesellschaftspolitik neu erfindet.

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Einleitung 9

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Einleitung Ursprünglich sollte der Titel des Buches lauten „Über das Verschwinden der Freizeit. Gewinne und Verluste beim Übergang von der Freizeitplanung zur Kulturpolitik“. Dieser Titel sollte provozieren, schien aber dann doch zu miss- verständlich. Freizeit verschwindet ja nicht wirklich; natürlich haben die Men- schen immer noch freie Zeit, oft sogar mehr als je zuvor. Aber verschwunden ist die Freizeitplanung, die in den 1960er und 1970er Jahren in der Bundesrepublik Deutschland eine bedeutende Rolle spielt. Kaum noch wahrzunehmen ist auch die Freizeitpädagogik, von der die Menschen auf wachsende freie Zeit vorberei- tet werden sollen. In den 1960er und 1970er Jahren sprechen alle Parteien von Freizeit. Die Utopie einer Freizeitgesellschaft, in der dank außerordentlicher Fortschritte in der wirtschaftlichen Produktivität die Arbeit beiläufig erledigt wird und freie Zeit das Leben bestimmt, beflügelt und inspiriert entsprechende Programme. In der „nivellierten Mittelstandsgesellschaft“ scheint aufgrund der wachsenden Produktivität die Realisierung einer solchen Utopie mit dem Vor- rang postmaterieller Werte in Reichweite. In dieser Zeit wirkt die Deutsche Ge- sellschaft für Freizeit unter dem Vorsitz des ehemaligen CDU- Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen Franz Meyers, und das Kommu- nalpolitische Programm der Jungsozialisten enthält einen langen Abschnitt zu Freizeit, aber keinen zur Kultur. In den Jahren nach 1969 beziehen die Reformprogramme der Sozialliberalen Koalition mit Willy Brandt als Bundeskanzler die Freizeit-Infrastruktur großzü- gig ein. Freizeit entwickelt sich als wichtiges Arbeitsfeld der Politik. Während die Akteure der Kulturpolitik noch in hohem Maße auf die Pflege...

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