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Von der Freizeitplanung zur Kulturpolitik

Eine Bilanzierung von Gewinnen und Verlusten

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Dieter Kramer

Alle Parteien versprachen in den 1960er Jahren großzügige Programme zur Freizeitplanung. Die Freizeitpädagogik wollte die Menschen vorbereiten auf die Freizeitgesellschaft, in der die Arbeit beiläufig erledigt wird und freie Zeit dominiert. Dann aber zehren Krisen, Konsumwettbewerb, Globalisierung und Arbeitslosigkeit die Produktivitätsgewinne auf. Freizeitpolitik verschwindet, die für alle nutzbare Infrastruktur für Freizeit und Erholung wird zugunsten einer Kulturpolitik für die alten und neuen Bildungsschichten vernachlässigt. Verloren sind die demokratischen Dimensionen der Freizeitpolitik. Der allzu kontur- und inhaltlose Freizeitbegriff kann nicht wieder belebt werden. Interessanter ist daher die Beschäftigung mit einer neuen sozialkulturellen Strukturpolitik, bei der die Kulturpolitik sich als Teil einer demokratischen Gesellschaftspolitik neu erfindet.

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7. Gemeinsame Themen der affirmierenden, reformorientierten undlinken Akteure 85

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7. Gemeinsame Themen der affirmierenden, reformorientierten und linken Akteure 7.1 Soziokultur Die konservativen affirmierenden und die reformorientierten Freizeit-Akteure interessieren sich ebenso wie die linken Akteure, sofern und sobald sie sich nicht mit Verweigerungshaltung begnügen, gemeinsam für eine Anzahl von Be- reichen und Problemen: für Soziokultur und Animation, für Freizeitzentren und Häuser, für Freizeit und Bildung, und schließlich für den Zusammenhang von Freizeit und Qualifikationen für die Arbeitswelt. 2002 hat Thomas Hirschhorn bei der Documenta 11 mit großer Resonanz in einem Kasseler Problemstadtteil mit Hilfe der lokalen Bevölkerung sein Batail- le-Monument realisiert, eine Art temporäres soziokulturelles Zentrum (s. Fleck 2002). Von den Documenta-Besuchern wird es begeistert als neue Verbindung von Kunst und Leben gefeiert. Keiner hat 2002 daran erinnert, dass in der Ge- samthochschule Kassel Ende der 1970er Jahre so intensiv wie sonst nirgendwo über Kultursozialarbeit nicht nur diskutiert wird, sondern auch Projekte der Zu- sammenarbeit zwischen Künstlern und Sozialarbeitern in Kasseler Problemge- bieten wie dem ‚Philippinenhof‘ realisiert werden (H. Karl 1980; Kramer 1979b). Aus der Perspektive dieser Vorgänger-Projekte wirkt das Bataille- Monument wie die Arbeit eines sozialpädagogisch dilettierenden Künstlers. Und auch keiner macht sich 2002 ernsthaft Gedanken darüber, was auf das Stroh- feuer des Projektes an nachhaltiger Arbeit folgen müsste. Parallel zur Freizeitpädagogik, aber mit nicht immer systematischen Berüh- rungen entwickelt sich in den Jahren nach 1960 die Soziokultur (s. Sie- vers/Wagner 1992). Sie profitiert von Anregungen des Europarates und...

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