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Von der Freizeitplanung zur Kulturpolitik

Eine Bilanzierung von Gewinnen und Verlusten

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Dieter Kramer

Alle Parteien versprachen in den 1960er Jahren großzügige Programme zur Freizeitplanung. Die Freizeitpädagogik wollte die Menschen vorbereiten auf die Freizeitgesellschaft, in der die Arbeit beiläufig erledigt wird und freie Zeit dominiert. Dann aber zehren Krisen, Konsumwettbewerb, Globalisierung und Arbeitslosigkeit die Produktivitätsgewinne auf. Freizeitpolitik verschwindet, die für alle nutzbare Infrastruktur für Freizeit und Erholung wird zugunsten einer Kulturpolitik für die alten und neuen Bildungsschichten vernachlässigt. Verloren sind die demokratischen Dimensionen der Freizeitpolitik. Der allzu kontur- und inhaltlose Freizeitbegriff kann nicht wieder belebt werden. Interessanter ist daher die Beschäftigung mit einer neuen sozialkulturellen Strukturpolitik, bei der die Kulturpolitik sich als Teil einer demokratischen Gesellschaftspolitik neu erfindet.

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8. Die Geschichte der Freizeitpolitik in der Bundesrepublik nach 1969 109

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8. Die Geschichte der Freizeitpolitik in der Bundesrepublik nach 1969 8.1 Die Reformpolitik der Sozialliberalen Koalition von 1969 Wirtschaftliches Wachstum, wachsende Steuereinkünfte, relative Prosperität, vermehrte Massenkaufkraft und Arbeitszeitverkürzungen führen ab Mitte der 1960er Jahre zu einem gesellschaftspolitischen Klima, in dem in Deutschland neue Wege beschritten, neue Chancen ausgelotet werden können. Wegmarke für das Ende der Adenauer-Zeit ist 1963 die Wahl von Ludwig Erhard zum eher glücklosen Bundeskanzler (s. Anhang, Zeittafel). 1965 kann er sich in der Bundestagswahl bestätigt sehen; im gleichen Jahr beunruhigt aber die Rezession, und es kommt zu einer Krise der Politik. Am 1. Dezember 1966 wird die erste bundesdeutsche Große Koalition mit Bundeskanzler Kurt Georg Kie- singer und Willy Brandt als Vizekanzler gebildet. In dieser Zeit entsteht die mit- telfristige Finanzplanung, auf deren Grundlage sich ab 1969 die Reformpolitik der Sozialliberalen Koalition entfalten kann (s. Görtemaker 2002: 176, 179). Mit ihrer Hilfe wird die Rezession überwunden, und diese Erfahrung entkräftet zu- nächst alle Skepsis bezüglich der Dauer der Prosperität und ermutigt weitere Re- formprogramme, die aus den Wachstumsgewinnen finanziert werden sollen. Gustav Heinemann (SPD) wird am 5.3.1969 mit Hilfe der FDP zum Bundes- präsidenten gewählt. Nach der für die SPD erfolgreichen Wahl von 1969 verliest der neue Bundeskanzler Willy Brandt am 28.10.1969 für die am 21.10. gebildete Regierung Brandt/Scheel seine Regierungserklärung, die mit der FDP abge- stimmt ist und ein Koalitionsabkommen ersetzt. Darin werden umfassende inne- re Reformen...

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