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Kernberufe

Ein Baustein für ein transnationales Berufsbildungskonzept

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Georg Spöttl and Jessica Blings

Die europäische Diskussion zur Gestaltung einer länderübergreifenden Berufsbildungspolitik konzentriert sich vorrangig auf einzelne Instrumente, die kaum in der Lage sein dürften, den eigenen Anspruch, nämlich einen europäischen Berufsbildungsraum zu gestalten, einzulösen. Der Grund dafür ist, dass diese Instrumente nur einzelne Facetten von dem zum Gegenstand haben, was Berufsbildung und eine Berufsbildungspolitik ausmachen. Im Buch Kernberufe wird deshalb ein Vorschlag entwickelt, wie europäische Kernberufe dazu beitragen können, einen europäischen Bildungsraum mitzugestalten. Die Idee für europäische Kernberufe basiert auf einem arbeitsprozessbezogenen Ansatz, der Arbeit und Bildung umfassend betrachtet, und der als Grundkonzept für Berufsbildungsprofile geeignet ist, die in allen europäischen Ländern relevant sind. Der Arbeitsprozessbezug garantiert dabei die Verbindung zu den Herausforderungen des Arbeitsmarktes, aber auch zu den übergeordneten Bildungsansprüchen von Mitgliedern moderner Gesellschaften.

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4 Definition, Konzept und Struktur von Kernberufen 31

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Definition, Konzept und Struktur von Kernberufen 31 4 Definition, Konzept und Struktur von Kernberufen 4.1 Zur Definition und Abgrenzung des Begriffes Im Rahmen des 1969 verabschiedeten Berufsbildungsgesetzes (BBiG 1969) wurde neben einer bundeseinheitlichen Regelung der Berufe auch das Berufs- prinzip gesetzlich verankert. Kriterien für die Anerkennung und die Beibehal- tung anerkannter Ausbildungsberufe sind 1974 im Beschluss des Bundesaus- schusses für Berufsbildung festgelegt worden. Bereits in der 1990er Jahren wur- de aber auch in der Bundesrepublik begonnen, die Berufsbildung auf modulare, angelsächsische Strukturen auszurichten und damit das Berufsprinzip in Frage zu stellen. Auch mit dem Eingang der Handlungsorientierung als Leitbild (ge- staltungsoffener) Berufe in das novellierte BBiG (2005) und dem Festhalten am Berufsprinzip konnte die Entwicklung zur Modularisierung berufsbildender Strukturen nicht aufgehalten werden. Immerhin bildet der Beruf „immer noch einen, wenn nicht den ‚Kristallisationspunkt sozialer Identität‘“ (Brötz 2005, S. 14). Im Rahmen dieser Entwicklung wurden aber auch zum Teil schon bekannte Konzepte zur Neustrukturierung und Neuordnung der Ausbildungsberufe disku- tiert und weiterentwickelt. Der alternative Ansatz, über breiter angelegte, be- rufsübergreifende Berufe sowohl die Anzahl der Ausbildungsberufe zu verrin- gern, als auch die Berufsausbildung neu zu strukturieren und zu flexibilisieren, ist demnach so neu nicht und wurde erstmals 1967 in der damaligen DDR mit so genannten Grundberufen verfolgt. Ziel dieser Neustrukturierung der Berufe war es, „viele verwandte und auch die Wirtschaftszweige übergreifende Berufe in einem Grundberuf aufgehen zu lassen, der vorrangig in den beiden ersten Ausbildungsjah- ren auf die berufstheoretische und berufspraktische Grundbildung abstellt“ (Hegel- heimer...

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