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«Armance» und die Ästhetik des Melodrams

Eine Untersuchung zur Verwendung und Adaption melodramatischer Strukturelemente im Romandebüt Stendhals

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Laurentius Pop

Das französische Melodram stellt die erste Form populärer Erfolgsliteratur dar und ist im Zuge der Demokratisierung der französischen Theaterlandschaft nach der Revolution entstanden. Während die Bedeutung dieser Bühnengattung für das Schaffen so namhafter Autoren wie Balzac, Hugo oder Flaubert hinreichend untersucht ist, wurde bisher dem Einfluss dieser Gattung auf Stendhal kaum Beachtung geschenkt. Die Arbeit schließt diese Forschungslücke. Dabei wird das Melodram als Prototyp populärer Literaturproduktion bestimmt. In einem ersten Schritt werden zunächst jene Stellen im Gesamtwerk Stendhals zusammengetragen, in denen sich dieser zum Melodram äußert. Bei dem zur Hauptanalyse gewählten Roman handelt es sich um das literarische Debüt des Autors, dem eine fast zwanzigjährige theoretische Beschäftigung mit der Literatur, bei der auch das Melodram eine wichtige Rolle spielte, vorausgeht. So stellt Armance diejenige Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis dar, an der sich Adaptionen und Analogien zum Melodram wie in keinem anderen Roman Stendhals nachweisen lassen.

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2. Das Melodram 17

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2. Das Melodram 2.1. Deskriptive und strukturale Gattungsdefinition des Melodrams Für die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Melodram markieren die 60er Jahre des 20. Jahrhundert eine Wende zwischen zwei Ansätzen, einem deskrip- tiven und einem strukturalen. So setzte die Forschung bis in die späten sechziger Jahre hinein ihre Untersuchungsschwerpunkte auf die Entstehungsgeschichte und die historischen Bedingungen des Melodrams sowie die Beschreibung me- lodramatischer Werke. Zu den wichtigsten Beiträgen zur Melodramforschung zählen hier u.a. die Werke von M.R. Booth, English Melodrama (1965) und F. Rahill, The World of Melodrama (1967). Die Definition Rahills des Melodrams gilt allgemein als die „umfassendste“41: „Melodrama is a form of dramatic composition in prose partaking of the nature of tragedy, comedy, pantomime, and spectacle, and intended for a popular audience. Primarily concerned with a situation and plot, it calls upon mimed action extensively and employs a more or less fixed complement of stock characters, the most impor- tant of which are a suffering heroine or hero, a persecuting villain, and a benevolent comic. It is conventionally moral and humanitarian in point of view and sentimental and optimistic in temper, concluding its fable happily with virtue rewarded after many trials and vice punished. Characteristically it offers elaborate scenic accesso- ries and miscellaneous divertissements and introduces music freely, typically to un- derscore dramatic effect.“42 Es handelt sich um eine ausführliche Beschreibung des Genres, die wichtige As- pekte der historischen Genese, der Figurentypologie, Inszenierungsweise sowie der moralischen Endaussage berücksichtigt. Ein...

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