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Beschreibungen für gesprochenes Deutsch auf dem Prüfstand

Analysen und Perspektiven

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Norbert Dittmar and Nils Uwe Bahlo

In den letzten Jahren streiten Linguisten um den Platz der Beschreibung gesprochener Sprache in der Grammatik. Viele empirische Arbeiten beschreiben Eigenschaften des gesprochenen Deutsch detailliert, ohne die Frage zu stellen, im Rahmen welcher Modelle und mit welchen Perspektiven Eigenschaften des gesprochenen Deutsch beschrieben und erklärt werden können. Die Beiträge zur Sektion «Welches Modell benötigt man für die Beschreibung der gesprochenen Sprache» auf dem Terzo Convegno Linguistica tedesca in Italia (Rom 2008) befassen sich mit theoretischen, methodischen und korpuslinguistischen Fragen der Analyse gesprochener Sprache. Die Problemstellung wird von den Autoren auf unterschiedlichen Ebenen der linguistischen Beschreibung beantwortet: Johannes Schwitalla erstellt ein mediales Differenzprofil von geschriebener und gesprochener Sprache, Federico Albano Leoni entbindet die Stimme ( Prosodie) der (supra-)segmentalen Phonologie und Peter Auer beschreibt anhand von Projektionen die Prozesshaftigkeit der Rede. Ferner widmet sich Stephan Stein dem Problem der Operationalisierung elementarer Beschreibungseinheiten, Norbert Dittmar untersucht am Beispiel des Konnektors also grammatisch integrierte und nicht-integrierte Teile (pragmatisch regierte Ränder) von Äußerungen, Manuela Moroni stellt ein Modell der syntaktisch-prosodischen Analyse von Partikeln vor, Anja Stukenbrock illustriert die multimodale (kontextsensitive) Beschreibung des deiktischen Ausdrucks so am Beispiel von Fernseh- und Videoaufzeichnungen und Claudia Wich-Reif liefert eine varietätenumfassende Bestandsaufnahme des neudeutschen Ausdrucks so’ne in sone Dinge.

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Manuela Moroni - Modalpartikeln als prosodische Anzeiger oder: der „informationsstrukturelle Nebenjob“ der Modalpartikeln - 137

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137 Modalpartikeln als prosodische Anzeiger oder: der „informationsstrukturelle Nebenjob“ der Modalpartikeln1 Manuela Moroni 0. Einstieg: Partikeln und Akzentuierung Im vorliegenden Aufsatz wird anhand von gesprochen-sprachlichen Daten der Frage nachgegangen, inwiefern das syntaktische Verhalten der Modalpartikeln mit Akzentuierung und Informationsstruktur zusammenhängt. In der Literatur finden sich zahlreiche Hinweise auf den Zusammenhang zwischen einigen Partikelklassen und der Akzentuierung als Kodierungsmittel der Informationsstruktur. Am eingehendsten erforscht ist der Zusammenhang zwischen Fokuspartikeln und der informationsstrukturellen Kategorie des Fo- kus (vgl. Altmann 1976, König 1991, Krifka 1999, Dimroth 2004, Sud- hoff/Lenertová 2004). Ein Beispiel: {Hans hat gestern Maria, Julia und Peter getroffen; wen hat er sonst noch getrof- fen?} (1) Hans hat auch [VE\ra]F getroffen2 Die Fokuspartikel auch und der Fokus Vera stehen sowohl syntaktisch als auch semantisch in enger Beziehung zueinander. Zur Syntax: Auch und Vera können zusammen ins Vorfeld bewegt werden, was in der Regel für Elemente gilt, die zusammen eine Konstituente bilden: {Hans hat gestern Maria, Julia und Peter getroffen; wen hat er sonst noch getrof- fen?} (2) auch [VE\ra]F hat hans getroffen Zur Semantik: Auch setzt Vera in Relation zu im Kontext verfügbaren Alternati- ven (hier Maria, Julia, Peter) und zwar es zeigt an, dass der Referent der fokus- 1 Der Ausdruck „Nebenjob“ wird in Anlehnung an Breindl (2008) verwendet. Eva Breindl hat mich auf einen möglichen Parallelismus zwischen Adverbkonnektoren in Nacherstposition und Modalpartikeln hingewiesen. Dafür möchte ich mich bei ihr herzlich bedanken. Ein be- sonderer Dank gilt ferner...

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