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Normalismus und Sexualität

Studien zum Werk Heiner Müllers

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Jae-Jong Lee

Mit dem Ansatz von Normalismus und Sexualität versucht diese Studie, Texte Heiner Müllers und ihre Diskursstrategien aus unterschiedlichen Genres und Werkphasen zu analysieren. Sie verbindet die Analyse mit einem theoretischen Apparat, der sich der Konzepte Michel Foucaults, deren Adaption durch Jürgen Link sowie weiterer Theorieelemente (besonders der gender-studies) bedient. Die Tendenzwende bei Müller versteht die Autorin als eine Alternative, um Potenziale einer Denormalisierung im Gegenzug zu Tendenzen des Normalismus in Ost und West zu suchen. Danach wird ein Diskurs des Anderen entwickelt, der eine Abwehr von Instrumentalisierung ermöglichen soll. Müllers dramatischer Diskurs zeigt aber keine Anwendung des Anderen, sondern eine Leerstelle, wo die symmetrische Beziehung ermöglicht wird. Müllers Drama wird vom aktiven Zuschauer immer wiederholt und muss deshalb nicht als statischer Zustand, sondern als Bewegung, als Arbeit mit Widersprüchen aufgefasst werden.

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Teil 3 Zum Werk Heiner Müllers

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Teil 3 Zum Werk Heiner Müllers 1. Beschreibung der Darstellungstechniken und der Stoffwahl »Als Bürger bin ich für Normalitäten, aber als Künstler natürlich nicht«1, sa- gte Heiner Müller in einem Interview. Müller ist »eine kleine, schlanke Ges- talt in Bluejeans und schlichtem Blazer, schwarz oder dunkelgrau; schwarz- umrandet auch das Brillengestell; am linken Handgelenk die nach unten ge- drehte Uhr. Im Gespräch stets freundlich, höflich und bescheiden; die Stim- me leise und ausdruckslos. Zwischen den Sätzen ein kurzes Räuspern, zwei, drei Züge an der Zigarre, ein Nippen am Whiskyglas«.2 Von allen optischen Erkennungszeichen her wie immer gleichförmig in Ausdruck, Haltung, Kos- tüm und Requisiten gibt er stets dasselbe Bild. In den verschiedenen Ge- sellschaftsformationen von West-/Ost-Deutschland besonders seit der Mitte der 1980er Jahre benutzte Müller gewissenhaft die gleiche Maske. In der vi- suellen Normalisierungsgesellschaft gibt Müller ein Bild von sich, indem die Zuschauer einerseits auf dem Normalitätsfeld seine Position sehen und ver- gleichen können, andererseits verschwindet er damit in der Medien- Normalität, wieder eingetaucht und sich sogar versteckend,3 um andere zu täuschen, sich selbst zu täuschen und getäuschter Täuscher zu sein. Müllers ganz normales und immer gleiches Bild mit >Whisky and Cigars, spielt in den Medien verschiedene Rollen eines Darstellers wie in seinen Theater-stücken. Das Maskenspiel zu entschlüsseln heißt, Müllers Auffas- sung über Theater und dessen Darstellungstechniken des...

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