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Kindermord und «Kinderfachabteilungen» im Nationalsozialismus

Gedenken und Forschung

Edited By Lutz Kaelber and Raimond Reiter

Das Thema «Kinderfachabteilungen» wird in seinen vielseitigen Dimensionen dargestellt. Dabei handelte es sich im Zweiten Weltkrieg um etwa 30 Tötungsstätten in der Psychiatrie und anderen Heileinrichtungen im «Großdeutschen Reich», in denen über 5.000 geistig und körperlich behinderte Kinder umgebracht wurden. Vorgestellt wird die aktuelle Gedenkkultur in diesem Bereich und es werden Fragestellungen der Forschung vorgestellt, die auch für andere Opfergruppen relevant sind. Weiterhin werden Details der NS-Verbrechen in den «Kinderfachabteilungen» dargestellt. Den Herausgebern ist es gelungen, fachkundige Autoren zu den Tötungsstätten in Hamburg, Lüneburg, Stuttgart, Waldniel, Wiesloch und auf dem Eichberg sowie einer Ausstellung zum Thema in Korbach zu gewinnen. Der Band ist mit zahlreichen Abbildungen ausgestattet.

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Gedenken an die NS-„Kindereuthanasie“-Verbrechen in Deutschland, Österreich, der Tschechischen Republik und Polen (Lutz Kaelber) - 33

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Gedenken an die NS-„Kindereuthanasie“-Verbrechen in Deutschland, Österreich, der Tschechischen Republik und Polen Lutz Kaelber Gedenken an den Kindermord in den westlichen deutschen Bundesländern Der Eichberg - ein Fallbespiel Die „Kinderfachabteilung“ in der Landesheilanstalt Eichberg, in der Nähe der Stadt Eltville (bei Wiesbaden) gelegen, wurde im März oder Anfang April 1941 eingerichtet und bestand bis März 1945. Der Direktor der Landesheilanstalt war Dr. Friedrich Mennecke, der auch für die „T4“-Aktion als Meldebogengutachter tätig war, während dessen Stellvertreter Dr. Walter Schmidt für die „Kinder- fachabteilung“ als deren Leiter verantwortlich war. Mit seiner Einberufung zur Wehrmacht im Januar 1943 blieb Dr. Mennecke zwar noch nominell der Leiter der Anstalt, de facto wurde diese ab dann unter der Leitung von Dr. Schmidt geführt (Sandner 1999; Hohendorf u.a. 1999; Sandner 2003, S. 532-566). Mehr als 500 Kinder und Jugendliche starben während des Bestehens der „Kinderfachabteilung“ auf dem Eichberg. Nach konservativer Einschätzung wurde die überwiegende Mehrheit von ihnen wahrscheinlich ermordet (Sandner 2003, S. 539), wobei die Zahl der Opfer realistisch aber auf mindestens 430 ge- schätzt wird (Dickel 1991, S. 105). Es gab auch Kinder, die zuvor an der Hei- delberger Psychiatrischen Universitätsklinik unter Carl Schneider untersucht worden waren, um danach zur Tötung auf den Eichberg gesandt zu werden. Ihre Gehirne wurden dann nach Heidelberg zu angeblichen Forschungszwecken zu- rückgeschickt (Hohendorf u.a. 1999; Sandner 2003, S. 546-51). Am Eichberg fanden zudem Schulungen von „Euthanasie“-Ärzten, wie etwa...

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