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Kindermord und «Kinderfachabteilungen» im Nationalsozialismus

Gedenken und Forschung

Edited By Lutz Kaelber and Raimond Reiter

Das Thema «Kinderfachabteilungen» wird in seinen vielseitigen Dimensionen dargestellt. Dabei handelte es sich im Zweiten Weltkrieg um etwa 30 Tötungsstätten in der Psychiatrie und anderen Heileinrichtungen im «Großdeutschen Reich», in denen über 5.000 geistig und körperlich behinderte Kinder umgebracht wurden. Vorgestellt wird die aktuelle Gedenkkultur in diesem Bereich und es werden Fragestellungen der Forschung vorgestellt, die auch für andere Opfergruppen relevant sind. Weiterhin werden Details der NS-Verbrechen in den «Kinderfachabteilungen» dargestellt. Den Herausgebern ist es gelungen, fachkundige Autoren zu den Tötungsstätten in Hamburg, Lüneburg, Stuttgart, Waldniel, Wiesloch und auf dem Eichberg sowie einer Ausstellung zum Thema in Korbach zu gewinnen. Der Band ist mit zahlreichen Abbildungen ausgestattet.

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Überblick über die „Kinderfachabteilungen“ im Rahmen des „Reichsausschussverfahrens“ (Udo Benzenhöfer) - 67

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Überblick über die „Kinderfachabteilungen“ im Rahmen des „Reichsausschussverfahrens“ Udo Benzenhöfer Vorbemerkung Der folgende Überblick entspricht (nur geringfügig modifiziert, die Liste der nachgewiesenen „Kinderfachabteilungen“ blieb unverändert) Kapitel 12 meines Buches „Der Fall Leipzig (alias Fall ‚Kind Knauer’) und die Planung der NS- ‚Kindereuthanasie’“ (Münster: Klemm & Oelschläger 2008). Die „Einleitung“ ist neu. Einleitung Noch lange Zeit nach dem Ende des NS-Regimes bestand Unklarheit über die Orte mit „Kinderfachabteilungen“, d.h. über die Anstalten, Kliniken und Heime, in denen im Rahmen einer (im Kern) geheimen Aktion „Reichsausschusskinder“ ermordet wurden. Dies lag vor allem daran, dass in der grundlegenden Darstel- lung zu diesem Komplex, nämlich in der Anklageschrift der von Fritz Bauer ge- leiteten Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main gegen Werner Heyde u.a. aus dem Jahr 1962, keine Kriterien zur sicheren Identifikation entwickelt wor- den waren, sondern den Angaben des Angeschuldigten Hans Hefelmann (ehe- mals Kanzlei des Führers) gefolgt worden war.1 Man kam auf dieser Grundlage zu einer Liste mit 21 „sicheren“ und acht oder neun „fast sicheren“ Orten.2 1 Vgl. Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main: Anklageschrift gegen Werner Heyde u.a., Js 17/59 [1962], S. 128-131. 2 Die Anklageschrift (S. 128-130) nannte folgende Orte: Görden bei Brandenburg, Eich- berg bei Eltville, Wiesloch bei Heidelberg, Kaufbeuren, Eglfing-Haar, Waldniel bei An- dernach, Hamburg-Rothenburgsort, Lüneburg, Uchtspringe, Niedermarsberg, Leipzig (Universitätskinderklinik), Leipzig-Dösen, Berlin (Kinderklinik Dr. Wentzler), Berlin (Städtische Klinik), Wien (Am Spiegelgrund), Stuttgart (Städtisches Kinderheim), Ans- bach, Kalmenhof bei Idstein/Taunus, Meseritz-Obrawalde, Sachsenberg bei Schwerin, Stadtroda / Thüringen. Laut...

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