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Kindermord und «Kinderfachabteilungen» im Nationalsozialismus

Gedenken und Forschung

Edited By Lutz Kaelber and Raimond Reiter

Das Thema «Kinderfachabteilungen» wird in seinen vielseitigen Dimensionen dargestellt. Dabei handelte es sich im Zweiten Weltkrieg um etwa 30 Tötungsstätten in der Psychiatrie und anderen Heileinrichtungen im «Großdeutschen Reich», in denen über 5.000 geistig und körperlich behinderte Kinder umgebracht wurden. Vorgestellt wird die aktuelle Gedenkkultur in diesem Bereich und es werden Fragestellungen der Forschung vorgestellt, die auch für andere Opfergruppen relevant sind. Weiterhin werden Details der NS-Verbrechen in den «Kinderfachabteilungen» dargestellt. Den Herausgebern ist es gelungen, fachkundige Autoren zu den Tötungsstätten in Hamburg, Lüneburg, Stuttgart, Waldniel, Wiesloch und auf dem Eichberg sowie einer Ausstellung zum Thema in Korbach zu gewinnen. Der Band ist mit zahlreichen Abbildungen ausgestattet.

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Kindermord in Waldniel und die Legende vom rheinischen Widerstand (Andreas Kinast) - 121

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Kindermord in Waldniel und die Legende vom rheinischen Widerstand Andreas Kinast Die Einrichtung der „Kinderfachabteilung“ „Euthanasie“, vom griechischen Begriff eu-thanatos abgeleitet, bedeutet so viel wie „guter“ oder „schöner Tod“. Ursprünglich ein Fachbegriff für aktive Sterbe- hilfe, die dem Todkranken ein schmerzloses, würdevolles Sterben ermöglichen sollte, wurde dieser Begriff von den Nationalsozialisten in schändlicher Weise missbraucht. Unter strengster Geheimhaltung begann die Erfassung und Begut- achtung aller Psychiatriepatienten. Anschließend wurden tausende von geistes- kranken Patienten in Vergasungsanstalten getötet. Den Angehörigen schickte man „Trostbriefe“ mit erfundenen Todesursachen und fadenscheinigen Erklä- rungen. Parallel dazu betrieb man die Erfassung und Ausmerzung körperlich- und geistig behinderter Kinder. In „Kinderfachabteilungen“ wurden diese Kinder untersucht, begutachtet und getötet. Den Eltern gegenüber behauptete man, den Kindern würde die modernste und bestmögliche medizinische Betreuung zuteil werden. In Wirklichkeit dienten die „Kinderfachabteilungen“ nur der Auslese und der anschließenden Ermordung der, nach Ansicht der Organisatoren, „le- bensunwerten“ Kinder. Im Herbst 1940 machten sich der Leiter des Amtes II b in der „Kanzlei des Führers“, Hans Hefelmann und sein Stellvertreter Richard von Hegener auf den Weg zu den Dezernenten der Länder und freien Reichs- städte, um die Einrichtung von neuen „Kinderfachabteilungen“ vorzubereiten. Hefelmann gab an, man sei sich darüber im Klaren gewesen, dass man nicht alle behinderten Kinder in Görden unterbringen konnte. Dort hatte die unter dem monströsen Begriff „Reichsausschuss zur wissenschaftlichen Erfassung erb- und anlagebedingter schwerer Leiden“ firmierende Berliner Kindermordzentrale...

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