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Kindermord und «Kinderfachabteilungen» im Nationalsozialismus

Gedenken und Forschung

Edited By Lutz Kaelber and Raimond Reiter

Das Thema «Kinderfachabteilungen» wird in seinen vielseitigen Dimensionen dargestellt. Dabei handelte es sich im Zweiten Weltkrieg um etwa 30 Tötungsstätten in der Psychiatrie und anderen Heileinrichtungen im «Großdeutschen Reich», in denen über 5.000 geistig und körperlich behinderte Kinder umgebracht wurden. Vorgestellt wird die aktuelle Gedenkkultur in diesem Bereich und es werden Fragestellungen der Forschung vorgestellt, die auch für andere Opfergruppen relevant sind. Weiterhin werden Details der NS-Verbrechen in den «Kinderfachabteilungen» dargestellt. Den Herausgebern ist es gelungen, fachkundige Autoren zu den Tötungsstätten in Hamburg, Lüneburg, Stuttgart, Waldniel, Wiesloch und auf dem Eichberg sowie einer Ausstellung zum Thema in Korbach zu gewinnen. Der Band ist mit zahlreichen Abbildungen ausgestattet.

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„Kindereuthanasie“ in Stuttgart: Verdrängen statt Gedenken? (Karl-Horst Marquart) - 145

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„Kindereuthanasie“ in Stuttgart: Verdrängen statt Gedenken? 145 „Kindereuthanasie“ in Stuttgart: Verdrängen statt Gedenken? Karl-Horst Marquart In seinem 1983 herausgegebenen Standardwerk „‚Euthanasie’ im NS-Staat“ führt Ernst Klee in einer Liste 18 „Kinderfachabteilungen“ auf, darunter eine in Stuttgart im Städtischen Kinderheim unter der Leitung von Dr. Lempp (1). Er beruft sich dabei auf eine Aussage im Jahr 1961 von Dr. Hans Hefelmann, dem früheren Geschäftsführer des „Reichsausschusses zur wissenschaftlichen Erfas- sung von erb- und anlagebedingten schweren Leiden“, und auf die Anklage- schrift von 1962 gegen Prof. Dr. Werner Heyde, den ehemaligen medizinischen Leiter des NS-Krankenmords. Seitdem bestätigten mehrere Veröffentlichungen zur NS-„Kindereuthanasie“, besonders aus neuerer Zeit, dass es eine „Kinder- fachabteilung“ in Stuttgart gab (2). Nur in einer Publikation von 2004 des Au- tors Rolf Königstein wird das Gegenteil behauptet und werden die Autoren Ernst Klee, Henry Friedlander und Gerd Lehmkuhl heftig kritisiert, weil sie „die Frage nach der Existenz einer ‚Kinderfachabteilung’ (im Sinn einer Tötungsan- stalt) für die Städtischen Kinderheime in Stuttgart eindeutig geklärt“ sehen (3). Als ich 2009 in einem Buchbeitrag aufgrund eigener Untersuchungen darstellte, dass Dr. Karl Lempp in der NS-Zeit verantwortlich war für Zwangssterilisierun- gen und „Kindereuthanasie“ in Stuttgart (4), versuchte ein Enkel Lempps die Verbreitung meiner Ausführungen unter Berufung auf Königstein gerichtlich zu verhindern (5). Ich möchte hier darlegen, wie es zur Einrichtung einer „Kinderfachabtei- lung“ in Stuttgart kam, wie die Beteiligten am Kindermord ihre Taten geheim halten und...

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