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Kindermord und «Kinderfachabteilungen» im Nationalsozialismus

Gedenken und Forschung

Edited By Lutz Kaelber and Raimond Reiter

Das Thema «Kinderfachabteilungen» wird in seinen vielseitigen Dimensionen dargestellt. Dabei handelte es sich im Zweiten Weltkrieg um etwa 30 Tötungsstätten in der Psychiatrie und anderen Heileinrichtungen im «Großdeutschen Reich», in denen über 5.000 geistig und körperlich behinderte Kinder umgebracht wurden. Vorgestellt wird die aktuelle Gedenkkultur in diesem Bereich und es werden Fragestellungen der Forschung vorgestellt, die auch für andere Opfergruppen relevant sind. Weiterhin werden Details der NS-Verbrechen in den «Kinderfachabteilungen» dargestellt. Den Herausgebern ist es gelungen, fachkundige Autoren zu den Tötungsstätten in Hamburg, Lüneburg, Stuttgart, Waldniel, Wiesloch und auf dem Eichberg sowie einer Ausstellung zum Thema in Korbach zu gewinnen. Der Band ist mit zahlreichen Abbildungen ausgestattet.

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Massentötungen von Kindern aus „allgemeiner Menschenliebe“?(Raimond Reiter) - 237

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Massentötungen von Kindern aus „allgemeiner Menschenliebe“? Raimond Reiter 1. Einleitung Für das hier gestellte Thema spielt Hannover eine besondere Rolle. Was hat die- ser Ort in Niedersachsen mit dem Thema Massentötungen von Kindern im Zweiten Weltkrieg zu tun? Mehr als wohl gemeinhin bekannt ist. Es geht, so muss man zunächst genauer sagen, um Massentötungen an geistig und körper- lich behinderten Kindern in der Psychiatrie im Nationalsozialismus. Die Zahl der Opfer lag bei über 5.000, davon alleine etwa 350 in der damaligen Provinz Hannover. Unter ihnen wiederum etwa 60, die aus Hannover (Stadt und Land) stammten.1 Die genaue Zahl der Opfer und ihre Namen sind immer noch ein Forschungsgegenstand. Im Zweiten Weltkrieg wurden nach unterschiedlichen Schätzungen 200.000, 300.000 Patienten, womöglich auch mehr, Opfer der Massentötungen in der Psychiatrie. Bis heute ist nur ein geringer Teil der Na- men dieser Opfer bekannt, d.h. überwiegend die der „T4“-Aktion 1940/1941. Ein wesentlicher Grund: Die Serien- und Massentötungen wurden geheim gehal- ten, oft im laufenden Anstaltsbetrieb durchgeführt oder direkt als „Geheime Reichssachen“ bürokratisch und verdeckt organisiert.2 Die meisten Täter wiederum sind bekannt, auch in Niedersachsen. Lange Jahre war es nicht möglich, ihre Namen öffentlich zu nennen, da sie noch lebten und nicht gerichtlich verurteilt wurden. Obwohl die meisten von ihnen keine Hemmungen hatten, vor den Staatsanwaltschaften ihre Serientötungen zuzuge- ben. Nur sei das Töten völlig korrekt gewesen, und die Staatsanwaltschaften wa- ren nicht in der Lage, die...

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